Protokolle vom Symposium in Herne

Herr Prof. Dr. med. Bhakdi, Frau Prof. Dr. rer. nat. Karina Reiss, Dr. Peter Petermann, Dr. Wolfgang Grimme, Michael von Lüttwitz, Herman Garretesen und Mathias Güthe gebührt unser Dank und Respekt, denn sie haben dazu beigetragen, dass das Wissenschaftssymposium seinen Namen zu Recht trug.

 

Wissenschaftliches Entertainment könnte man es nennen, wie Prof. Bhakdi, international führender Mediziner auf dem Gebiet der Infektiologie, sein enormes Wissen gepaart mit Empathie für die Tiere, in seiner ruhige Art und mit leisen Worten jedermann verständlich vermittelt.

Unterstützt wurde er dabei von seiner Frau, Prof. Dr. Reiß , Zellbiologin und Leiterin der Arbeitsgruppe (Exclusivcluster) der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie an der Universitätsklinik Kiel.

 

WAI Ornithologe Dr. Petermann wartete mit einem enormen Fachwissen auf, dass er sehr mitreißend, verständlich und unterhaltsam vorgetragen hat. Wie man anhand des Genoms und der Gensequenzen die Verbreitungswege der Aviären Influenzaviren nachweisen und belegen kann, und anhand von Mutationen genau aufzeigen kann, ob die Viren aufgrund einer langen Reise oder auf kürzestem Wege zu uns gekommen sind, sowie deren Verbreitungswege, zeigte er in überzeugend in seinen Ausführungen.

 

Auch wenn einige Ausführungen einer gewissen Situationskomik nicht entbehrten, so hatten auch die Ausführungen von Dr. Grimme vom Gut Wardow einen durchaus ernsten Hintergrund: als ökologischer Landwirt und potentieller Kläger für unsere Sache ist er natürlich persönlich besonders betroffen.

 

Die Auswirkungen der nicht artgerechten Tierhaltung wurden eindrucksvoll vom Ehrenvorsitzenden des VHGW, Michael von Lüttwitz, aufgezeigt, der sich für die Rassegeflügelzüchter und den Erhalt des Rassegeflügel in ökologisch korrekter artgerechter Haltung positioniert hatte.

 

Wie sich emotionaler Stress der Tierhalter und Haltungsstress durch die Aufstallung auf die Gesundheit der Tiere auswirkt, brachte uns Herman Garretsen näher, der auch Lösungsmöglichkeitenaufzeigte. Seine Mission 'Futter nach meinem Herzen' zeigte uns die emotionale Seite der Geflügelhaltung und Fütterung, und wie man auch in stressigen Zeiten seine Tiere möglichst gesund erhalten kann, nicht nur durch Fütterung.

Eine noch so optimale Fütterung kann Stress nur schwer auffangen, daher ist neben einer optimalen Fütterung auf der ruhige Umgang mit den Tieren und die eigene Einstellung von enormer Bedeutung, denn die Gesundheit der Tiere ist auch ein Spiegelbild des Züchters.

 

Die Fakten zur Gesetzeslage wurden uns in verständlicher Form von Mathias Güthe nahe gebracht, der ruhig und unterhaltsam durch das Programm des Symposiums führte.

 

Heiß her ging es zu guter Letzt auf der Podiumsdiskussion, der sich auch die anwesenden Amtstierärzte vom Kreis Recklinghausen stellten, und dadurch regelrecht in Kreuzfeuer gerieten.

Hr. Dr. med. vet. Markus Nieters, der in Begleitung des Amtsleiters Dr. Gerwert erschienen war, hatte nicht nur dem gesamten Symposium beigewohnt, sondern stellte sich auch allen Fragen, und ich kann versichern, dass diese Podiumsdiskussion überaus emotional und lebhaft von Seiten der Züchter war.

Hr. Dr. Nieters hatte die Situation souverän im Griff, und versuchte, die Lage zu deeskalieren und zu beruhigen, und seine Sicht der Dinge, bzw. die des Vet. Amtes als Exekutive des Ministeriums zu erläutern.

Auch temperamentvollere Äußerungen nahm er keinem Züchter wirklich übel. Ebenso beteuerte er, dass er seinen Beruf als Tierarzt aus Liebe und zum Wohl der Tiere ergriffen habe, und sich der Verantwortung als Amtstierarzt durchaus bewusst sei. Er verfolge nur ein Ziel, und das sei die Gesunderhaltung der Bestände in seinem Kreis, wenn auch mit zur Zeit unpopulären Maßnahmen.

Amtsleiter Dr. Gerwert betonte, dass ihm nichts daran gelegen sei, Tiere zu keulen, und betonte daher, wie wichtig es sei, sich an die Auflagen des Bundesministeriums, umgesetzt durch die Kreise, zu halten.

Der Bau von Volieren ermögliche einen gewissen Freilauf der Tiere ohne Ausnahmeantrag, denn, auch bei Bewilligung eines Ausnahmeantrages hätte der Halter dafür Sorge zu tragen, dass Wildvogelkontakt zum Geflügel effektiv verhindert wird. Die - für Züchter und Tiere - sicherere Variante sei dann die Volierenhaltung. So käme man der Forderung nach Abschirmung zu den Wildvögeln nach, ohne einen Ausnahmeantrag stellen zu müssen, der zwangsläufig mit einer Beprobung der Tiere einhergeht. Und daran sei dem Veterinäramt und den Veterinären nicht gelegen.

 

Dank gebührt auch Frau Simone Brand MdL (Piraten) die die Beiträge des Symposiums in Herne mit großem Interesse verfolgt hat.

Sie ist ordentl. Mitglied im Ausschuss für Klimaschutz, Umwelt, Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, und hat ihre Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft VogelFrei Cimbria zugesagt.

 

Unsere hervorragenden Gastredner waren.

Hr. Univ.-Prof. Dr. med. S. Bhakdi (Infektiologe)

Fr. Univ.-Prof. Dr. rer. nat. K. Reiß (Biochemikerin, Zellbiologin)

Hr. Michael v. Lüttwitz (Biologe, Ehrenvorsitzender des VHGW, Chefredakteur a.D.)

Hr. Dr. Peter Petermann (Ornithologe) vom WAI

Hr. Dr. Wolfgang Grimme (Gut Wardow)

Hr. Herman Garretsen (CEO GARVO)

Hr. Mathias Güthe (Initiator Arbeitsgemeinschaft VogelFrei Cimbria, 1. Vors. RGZV Cimbria)

Sowie Hr. Dr. med. vet. Markus Nieters vom Vet. Amt Kreis Recklinghausen.

 

Als Gäste konnten wir vom BDRG den 2. Vize Hr. Karl Kahler, sowie von von allen Fachverbänden einen Vertreter begrüßen. Vom LV Rheinland-Pfalz war der 1. Vors. Hr. Helmut Demler angereist, vom LV Rheinland der 1. Vors. Hr. Wolfgang Terwege ,vom LV Kurhessen der 1. Vors. Hr. Helmut Ludloff, sowie weitere Vertreter von Landes- und Kreisverbänden. 

Vermisst habe ich leider Vertreter des LV Westfalen-Lippe, zumal das Symposium im Bereich ihres LV ausgerichtet wurde, und somit keine langen Anfahrtswege nötig waren, wie sie von anderen Teilnehmern in Kauf genommen wurden.

Protokoll des Vortrags von Herrn Prof. Dr. med. Sucharit Bhakdi und Frau Prof. Dr. rer. nat. Karina Reiss auf dem Symposium ‚H5N8 - Veterinäre, gefangen zwischen Wissenschaft und Politik‘ in Herne, am 11.03.2017

 

Sucharit Bhakdi, geb. am 01.11. 1946 in Washington, DC, U.S.A. als Sohn thailändischer Diplomaten, Mediziner und Facharzt für Mikrobiologie, Infektiologe, eremetierter Professor an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz und Leiter des dortigen Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene.

 

Prof. Dr. med. Sucharit Bhakdi beginnt seinen Vortrag zum 'Vogelgrippe-Wahnsinn' mit dem § 17 des Tierschutzgesetzes (TierSchG). Danach 'wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wer ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder einem Wirbeltier entweder aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden oder länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt.' Denn Tierquälerei steht in Deutschland, im Gegensatz zu vielen anderen Ländern auf der Erde, unter Strafe. Er stellt die Frage, ob es nicht genau das ist, was man von den Geflügelhaltern verlangt, staatlich angeordnete Tierquälerei aufgrund der nicht artgerechten Haltung.

Um den 'Vogelgrippe-Wahnsinn' zu verstehen erklärt er den Anwesenden zunächst einige Grundlagen: 

Grippeviren sind sehr wandlungsfähig, sie besitzen 8 Gensegmente (RNA-Stränge), zwei von ihnen bilden die Oberflächen-Antigene, gegen die der Wirt Antikörper bildet. 

Das Hämagglutinin H ('Händchen') ist verantwortlich für das Anhaften und Eindringen in die Wirtszelle, die Neuraminidase N für das Ablösen und Verlassen der Wirtszelle.

Alle 8 Gensegmente zusammen (=Gensequenz) entscheiden darüber, wie pathogen das Virus ist, und welchen Wirt es befällt. 

Diese Gensequenzen ändern sich permanent, spontane Änderungen am H und N Protein nennt man Antigen-Drift. 

Vermehren sich zwei unterschiedliche Virenstämme zeitgleich in einer Zelle (Doppelinfektion), kann es zum Austausch von Gensegmenten kommen. Diese Doppelinfektionen finden zumeist im Schwein statt. Werden H und N Antigene ausgetauscht, nennt man es Antigen-Shift. 

Zum jetzigen Zeitpunkt sind 16 H- und 9 N-Typen bekannt. Vögel beherbergen 12 H-Typen, einige Viren leben in permanenter friedlicher Ko-Existenz mit dem Wirt, der Antikörper bildet. Diese Antikörper werden auch über das Ei an das Küken weitergegeben (Nestschutz).

Die allermeisten Influenza Viren sind niedrig pathogen, d.h. sie machen NICHT KANK.

Sie sind deshalb niedrig pathogen, weil sie nur bestimmte Organe befallen (bei Vögeln ist es hauptsächlich der Magen-Darm-Trakt, bei Säugern sind es die Atemwege) und sich nur maßvoll vermehren, um den Wirt am Leben zu erhalten, und um weitergetragen werden zu können.

Aufgrund der unterschiedlichen Übertragungswege ist der Ablauf einer Grippe bei Vögeln vollkommen anders als beim Menschen. Die Zellen des Magen-Darm-traktes vermehren und regenerieren sich wesentlich schneller als andere Zellen, daher äußerst sich eine Infektion zumeist nur in einem kurzen Durchfall, was den Vögeln nichts ausmacht.

Theoretisch gibt es unzählige Möglichkeiten an Mutationen, und nicht nur theoretisch, sie finden auch praktisch statt, und niemand wird es verhindern können, solange Grippeviren in Vögeln leben.

Sein Fazit: Influenzaviren befinden sich seit Anbeginn der Ko-Existenz mit Vögeln und Säugern in stetigem Wandel, der sich nicht unterdrücken lassen wird, solange Viren und ihre Wirte ko-existieren.

Prof. Bhakdi berichtet über einen Versuch die Viren auszurotten, was 2005 in Thailand zu einer Massentötung von Geflügel führte, so waren letztendlich 28 von 70 Provinzen in Thailand Geflügelfrei. Es folgte entsetztes Schweigen bei allen Zuhörern, doch Prof. Bhakdi legte gleich nach: über 1 Mio. Tiere wurden innerhalb von 12 Wochen in Deutschland getötet, und die Logik dahinter ist 'genau so blöd, nicht akzeptabel und dumm'. Denn die Grippeviren begleiten die Vögel, Wildvögel genauso wie in den Massentierhaltungen, aber vermehrt in den Massentierhaltungen, wo es von Population zu Population übertragen wird.

Prof. Bhakdi betont, dass er nicht an die Gemeingefährlichkeit der Vogelpest glaubt, denn er vermisst konkrete Zahlen, wie viele Tiere wirklich an der Vogelpest gestorben sind. Aber es spielt für ihn auch keine Rolle, denn die Geflügelpest Verordnung muss gestoppt werden, da sie gegen das Gesetz verstößt.

Gibt es hochpathogene Viren? JA. Diese haben zu echten Pandemien geführt, wie H1N1 1918-1920 mir fast 50 Mio. Toten (Spanischen Grippe), 1957 H2N2 mit fast 3 Mio. Toten (Asiatische Grippe) und 1968 H3N2 mit fast 2 Mio. Toten (Hongkong Grippe). Aber das war es auch schon. Das sind extrem wenig Tote für ein Virus, das Milliarden Tiere infiziert hat und infiziert.

Aber ist das Virus jetzt wirklich so gefährlich, dass es Menschen tötet? Es ist nicht im Sinne eines erfolgreichen Parasiten, seinen Wirt umzubringen, und daher passiert es auch nicht. Doch warum sind so viele Menschen an der Spanischen Grippe gestorben? An bakteriellen Superinfektionen, weil es KEINE Medikamente gab. Auf den Boden, den die virale Infektion vorbereitet hat, hat sich eine bakterielle Infektion gesetzt. 50% aller 'Grippetoten' sind an einer bakteriellen Lungenentzündung gestorben! Daher sind die Zahlen an Grippetoten nach Einführung der Antibiotika 1960 stark gesunken. Heute sterben die Menschen eher an einem Herzinfarkt wenn sie sich mit der Grippe infizieren aufgrund von Vorerkrankungen.

Was hat nun die Hysterie um die Vogelgrippe ausgelöst? 

2003 sprang ein Vogelgrippevirus, H5N1, auf den Menschen, was zuvor nur H1, H2 und H3 getan haben, und: es war noch viel gefährlicher als H1, H2 oder H3. Die Sterblichkeit bei H1, H2, H3 beträgt nur 1-2%, aber bei H5 waren es 30%!

Und das hat alles ausgelöst, worunter WIR HEUTE leiden. Dabei ist die rechtliche Grundlage dafür gar nicht mehr gegeben!

Wann kommt die nächste tödliche Pandemie?

Die Behörden hören den Wissenschaftlern nicht zu, sie haben zu viel Befugnis, daher müssen sie nicht zuhören, und das ist ein Fehler. Alles in Deutschland beruht auf Schätzungen, auch die Risikoeinschätzung vom FLI, und bislang waren alle Schätzungen immer falsch. Auch die Pharmaindustrie, irgendeine Industrie immer eine Rolle dabei.

Das Robert Koch Institut hat geschätzt, dass während einer Grippewelle von 8 Wochen 100.000 Menschen in Deutschland an der Vogelgrippe sterben, und hat sich entsprechend darauf vorbereitet mit Impfstrategien oder antiviralen Medikamenten.

Gab es bei H5N1 eine neue Pandemie? NEIN! Es gab keine Pandemie. Es hatte ein schweres Krankheitsbild, aber die Ausbreitung verlief nicht von Mensch zu Mensch.

Bilanz: weltweit gab es zwischen 2003 und 2016 nur 856 Fälle, davon 452 Tote durch H5N1, davon kein einziger Fall in Europa!

Im Vergleich dazu gibt es mehrere 100fach mehr Tote an Salmonellen. Allein deshalb müsste man alle Hühner der Welt ausrotten.

Was haben die Experten daraus geschlossen? H5N1 hat sich so verändert, dass es für Menschen und andere Säuger gefährlich wird, und das stimmt, zumindest ein bisschen. Erkrankt ein Mensch an Vogelgrippe, ist es im Allgemeinen ausreichend, und das hat Robert Koch als erstes gelehrt, den Menschen abzuschirmen, und dadurch zu schützen. Eine weitere Behandlung ist im Allgemeinen nicht nötig.

Nun übernimmt Frau Prof. Dr. rer. nat. Karina Reiss

Die Weltorganisation für Tiergesundheit OIE mit Sitz in Paris hat sich dem 'Schutz und Wohl der Tiere und der Bewahrung unserer Zukunft 'verschrieben.

Durch diese 'Schutzmaßnahmen' wie z.B. Keulungen, sind unglaublich viel mehr Tiere getötet wurden, als durch das Virus je gestorben wären.

Die OIE hat nun zur Unterscheidung der Pathogenität (die krankmachenden Eigenschaften) und Virulenz (Ausmaß der Pathogenität) der Viren definiert: werden 8 Wochen alte Küken aus SPF Haltung (spezifiziert pathogenfrei), also ohne Immunsystem(!!!), den Viren ausgesetzt und sterben, handelt es sich um ein gefährliches Virus (HPAI).

Die zweite Definition ist eine molekularbiologische Definition: besitzt das Virus einen bestimmten Abschnitt aus dem H-Antigen, der identisch ist mit dem eines bereits als HPAI eingestuften Virus, handelt es sich um ein gefährliches Virus (HPAI).

Trifft EINE der beiden Definitionen zu, handelt es sich um ein hochgefährliches Virus (HPAI)!

Dieses Modell hat jedoch gravierende Fehler. Zum einen handelt es sich um ein invalides Tiermodell und zum anderen wird ein Laborergebnis der Biologie gleichgesetzt, was prinzipiell schon falsch ist.

Aufgrund ihrer Gensequenz sind viele Viren gefunden worden, die als HPAI eingestuft wurden, aber nicht einmal im Tierversuch ein schutzloses SPF Küken getötet haben. Das zeigt den Unsinn der Definition des OIE.

Wie einheitlich sind nun die HPAI-Viren?

Um allen Gefahren vorbeugen zu können, wurde 2007 die Geflügelpestschutzverordnung erlassen.

Doch nachdem wir gesehen haben, dass H5N1 keine Pandemie ausgelöst hat, und die Wissenschaft sich weiter entwickelt hat, haben wir jetzt klare Antworten auf viele Fragen.

Sind HPAI-Viren alle hochgefährlich für Wildtiere? Nein, selten!

Sind HPAI-Viren alle hochgefährlich für Nutztiere? Auch nicht!

Sind HAPI-Viren für Menschen gemeingefährlich? Nie und nie gewesen!

Wie steht es um die echte Pathogenität von H5N8 Clade 2.3.4.4 - 2016?

Wurde jemals der direkte Zusammenhang zwischen der Infektion mit diesem Virus und dem Tod der Tiere aufgezeigt? Der Verlauf der Infektionen mit H5N8 war 2014 eher gekennzeichnet durch eine niedrige Virulenz, sowohl in Geflügelbeständen als auch bei Wildvögeln. Somit konnte aufgezeigt werden, dass HPAI-Viren unter realen Bedingungen harmlos sein können.

Hingegen können Tiere durch die Folgen der Aufstallung an bakteriellen Infektionen sterben, wie es im Fall der Reiherenten im Wuppertaler Zoo am 11.01.2017 der Fall war.

Wie viele Tiere sind an H5N8 verstorben und wie läuft eine Untersuchung ab?

Wird ein toter Vogel gefunden, wird er im Normalfall an das Landesveterinäramt eingeschickt und auf Influenzaviren untersucht. Bei positivem Befund auf H5 oder H7 wird das Tier an das FLI geschickt. Dieses testet auf H5/H7 Subtypen. Die Todesursache wird NICHT BESTIMMT.

So wurden im Januar in Schleswig-Holstein 473 verendete Wildvögel untersucht, 353 waren NICHT infiziert, 120 waren H5/H7 positiv. Die Todesursache wurde nicht untersucht.

2014 hatte sich H5N8 in einer Entenfarm in England ausgebreitet. Nachdem binnen kurzer Zeit 200 Tiere gestorben waren, wurden diese auf H5N8 positiv getestet. Im Anschluss daran wurde die Todesursache untersucht. Die H5N8 Viren fand man wie vermutet im Magen-Darm-Trakt, jedoch ohne schwere Schädigungen. Schwer geschädigte Organe waren virenfrei, jedoch von Pilzen (Aspergillose in der Lunge) und Bakterien befallen, die die eigentliche Todesursache darstellten. Die Viren haben für den Tod der Tiere überhaupt keine Rolle gespielt.

Warum werden die Tiere in Deutschland nicht auf die Todesursache untersucht?

Die Maßnahmen in Deutschland beziehen sich immer noch auf die angenommene Gefährlichkeit einer Pandemie des H5N1 Virus, und sind deshalb nicht mehr angemessen.

Es wurde hinlänglich bewiesen, dass die Aufstallungsmaßnahmen völlig nutzlos sind, so wurden u.a. in einem Putenmastbetrieb, der sich innerhalb eines Bezirkes mit Aufstallpflicht in NRW befand, 10.000e Tiere getötet, nachdem dort in dem hochgesicherten Betrieb die Vogelgrippe ausgebrochen war. Auch in den umgrenzenden Haltungen wurden alle Tiere vorsorglich gekeult.

Begründet wurde das seitens des Ministeriums damit, dass dieser Schritt notwendig sei, um 'die Ausbreitung des hochinfektiösen, hochgefährlichen Virus zu verhindern'.

Erfüllen die Maßnahmen / die Tötung von HPAI-positiven Beständen irgendeinen Sinn? Vielleicht, wenn der Zusammenhang zwischen einer Infektion und dem Tod der Tiere nachgewiesen werden würde. Solange das nicht der Fall ist, sollten die Tiere isoliert und untersucht werden. Aufgrund der Ergebnisse sollten dann entsprechende Maßnahmen durchgeführt werden.

Was soll die Tötung von nicht-infizierten Beständen bewirken? 'Sie soll eine Verbreitung der Viren über die Luft innerhalb des Sperrbezirkes verhindern.'

Mit welchen wissenschaftlichen Erkenntnissen lässt sich diese Maßnahme begründen? ES GIBT KEINE! 'Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wer ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet.' 

Schutzmaßnahmen in der Umgebung von HPAI: die amtliche Begründung lautet, dass 'Wildvögel hauptsächlich für die Verbreitung der Vogelgrippeviren verantwortlich sind. Durch sie kommt es zum Eintrag von Viren in die Nutztierbestände.' Diese These ist nicht bewiesen.

Ab hier übernimmt Herr Prof. Dr. med. Sucharit Bhakdi die Ausführungen 

Ist das Grund genug, das Tierschutzgesetz zu brechen? NEIN! Haben die Behörden die Tötung von hunderttausend Wirbeltieren ohne Vernünftigen Grund angeordnet? Konnten die Maßnahmen den vermeintlichen Zweck überhaupt erfüllen? Nicht einmal das! Die Aufstallung verhindert nicht die Verbreitung der Viren. Aufgrund der Ausbrüche in geschlossenen Tierhaltungen ist die Rolle der Wildvögel nicht geklärt.

Folgt man der Grundannahme, dann könnte die Aufstallung in Sperrbezirken ihren Zweck nur erfüllen, wenn die HPAI-Viren INNERHALB dieser Bezirke eine größere Gefahr darstellen würden, als AUSSERHALB dieser Bezirke.

PLÖNER SEE

'Anfang November 2016 wurden 78 Reiherenten, die an H5N8 verendet waren, an die OIE gemeldet. Es wurde ein Sperrbezirk von 3 km um den Plöner See errichtet. Danach wurde kein einziger Fall mehr gemeldet, die Ausbreitung des hochinfektiösen, hochgefährlichen Virus wurde erfolgreich gestoppt.'

Die Reiherente, die jede Nacht 10 km und mehr fliegt, ist mit 25-30.000 Tieren der häufigste Wasservogel der Plöner Seenplatte. 78 Tiere waren verendet. Wenn das Virus H5N8 2016 hochinfektiös ist, ist es kaum gefährlich. Ist das Virus hochgefährlich, ist es nicht hochansteckend. Beides zusammen ist nicht möglich!

Hätte überprüft werden müssen, ob andere Tiere infiziert waren?

Laut Geflügelpest-Verordnung §56 Absatz 1, Nr. 1b - JA.

Die zuständige Behörde hat für 21 Tage nach Festlegung des Sperrbezirks 'eine Untersuchung von Wildvögeln, insbesondere von Wasservögeln und von kranken und verendet aufgefundenen Wildvögeln auf das hochpathogene aviäre Influenzavirus durchzuführen.' Wo sind die Daten?

Die gesetzlich vorgeschriebene Untersuchung wurde NIE durchgeführt! Das Gesetz wurde nicht befolgt!

Das Virus wird nach Infektion nur 4 - 5 Tage lang ausgeschieden, daher sind bundesweite Überwachungsmaßnahmen mit stichprobenartigen Untersuchungen völlig unsinnig, weil nicht effizient. Die Antikörper ('Selbstanzeigesystem der Vögel') hingegen kann man 3-4 Monate nachweisen.

Bei den Tieren, die jetzt noch am Plöner See verweilen, und noch nicht weitergezogen sind, müssten die versäumten Untersuchungen nachgeholt werden. Anhand der Anzahl der Tiere mit Antikörpern kann man ermitteln, wie viele Tiere wirklich erkrankt waren (und Nacht für Nacht das Gebiet und den Sperrbezirk verlassen haben). Es ist höchst unwahrscheinlich, keine Antikörper zu finden. Findet man Antikörper, wäre es der Beweis, dass das Virus in einer gesunden Wildvogelpopulation heimisch war, und auch von dort aus weitergetragen wurde. Damit wäre die Sinnlosigkeit von Sperrbezirken, Aufstallungsmaßnahmen und die Keulung gesunder Tiere offensichtlich.

Eine niederländische Studie hat im September 2016 anhand von Viren- und Antikörpernachweisen mit 7500 Wildvögeln belegt, das sowohl LPAI- als auch HPAI-Viren permanent in Wildvogelpopulationen verbreitet sind, wobei die Antikörper um den Faktor 10 über dem der Viren lagen. Die Vermutung liegt nahe, dass auch Nutztierhaltungen ein permanentes Reservoir von LPAI-Viren sind, und somit Schutzmaßnahmen bei LPAI völlig Sinn frei sind, und die Geflügelpest-Verordnung nicht mehr zeitgemäß ist.

Die Amtliche Begründung der Tötung von LPAI-Beständen lautet, 'es muss angestrebt werden, Deutschlands Nutztierbestände LPAI frei zu machen, denn sonst werden sich die Viren im ganzen Land ausbreiten. Aus ungefährlichen LPAI H5/H7 Viren könnte durch Mutation eines Tages ein hochgefährliches HPAI-Virus hervorgehen.'

Können diese Maßnahmen irgendeinen Sinn erfüllen? Nein. LPAI-Viren kommen weltweit bei Wildvögeln und Nutztieren vor, das Vernichten einzelner Bestände hat weder Einfluss auf die Verbreitung der Viren noch auf die Entstehung eines 'Supervirus'.

Was ist mit § 17 des Tierschutzgesetzes?

Haben die Behörden in Unkenntnis des aktuellen Standes der Wissenschaft die Grundlose Massentötung von Tieren angeordnet?

Abschließend kann man feststellen, dass die selbstdefinierten Kriterien zu falschen Aussagen über die Gefährlichkeit von HPAI-Viren führen, und die Geflügelpest-Verordnung nicht mehr zeitgemäß ist, da sie aus dem Jahr 2007 stammt, wo die tatsächliche Gefahr der Vogelgrippe für Menschen und Tiere nicht absehbar war. Seitdem wird zu Unrecht das Tierschutzgesetz gebrochen. Die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse erfordern ein Umdenken und verbieten diese Maßnahmen, die zu unsäglichem Tier- und Menschenleid geführt haben, hingegen die Evolution von HPAI-Viren nicht aufgehalten hat.

Melani Marfeld

Protokoll des Vortrags von Hr. Dr. Peter Petermann auf dem Symposium ‚H5N8 - Veterinäre, gefangen zwischen Wissenschaft und Politik‘ in Herne, am 11.03.2017

 

Dr. Peter Petermann, Vorstand des Wissenschaftsforums Aviäre Influenza (WAI) und freiberuflicher Ornithologe, Forschungs- und Naturschutz-Projekte des WWF und der MPG zur nachhaltigen Nutzung und Erhaltung von Flussauen in Europa und Brasilien, Erforschung der Zusammenhänge zwischen dem Auftreten von Geflügelpest und dem interkontinentalen Geflügelhandel.

 

Der Ornithologe Dr. Peter Petermann, der schon seit 2006 begründete Zweifel an der 'Wildvogeltheorie' zur Verbreitung der Vogelgrippeviren hegt, startet seinen Vortrag gleich mit einem echten Knaller, denn er legte die Antwort auf die Kleine Anfrage der Grünen 'Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung Hinweise, die Zweifel an der vom Friedrich-Löffler-Institut (FLI) vorgelegten Verbreitungstheorie (Wildvogeltheorie, Anmerkung der Autorin) aufwerfen' vor: 

'Der Bundesregierung liegen Veröffentlichungen vor, die die primäre Ausbreitung von Geflügelpest über Nutzgeflügel postulieren.'

Das ist unglaublich, wenn man bedenkt, dass Rassegeflügel aufgrund der Wildvogeltheorie in ungeheuerlicher Zahl auf Weisung vom BMEL und den untergeordneten Behörden (Landesministerien, Landkreisen) bislang unnötig eingesperrt und wie viele 1000e Tiere (nicht nur) an Wirtschaftsgeflügel vorsorglich getötet wurden.

Dr. Petermann zeichnete die Informationsquellen auf, die die Daten zur Vogelgrippe sammeln: die Tierseuchenbehörde OIE in Paris, das Tierseuchen-Informations-System (TSIS) und die Risikoeinschätzung des FLI, Gen-Datenbanken wie GISAID (Global Initiative on Sharing All Influeza Data) und GenBank, das EU Monitoring zu Aviärer Influenza, ScoPaFF-Berichte, die UNO Handelsstatistik COMTRADE u.a.

Viele der TSIS und GISAID Angaben, die dort publiziert werden, sind falsch, die Angaben mangelhaft, ungenau, unwissenschaftlich, unsystematisch, irrelevant oder suggestiv. Dennoch finden sie bei der Risikobewertung immer noch Berücksichtigung.

Dr. Petermann referiert über die Vogelgrippeviren, die mit HxNx benannt werden. H steht für Hämagglutinin (es gibt H1-H16) , N für Neuraminidase (N1-N9).

Die LPAI, die niedrig pathogenen Aviären Influenzaviren, die ihren Wirt im Allgemeinen nicht schädigen, kommen relativ häufig vor, betreffen sowohl Wildvögel, als auch Geflügelhaltungen.

Die HPAI, die hoch pathogenen Aviären Influenzaviren hingegen, kommen fast ausschließlich in der intensiven Tierhaltung (Massentierhaltung) vor, und sind im Allgemeinen für die Tiere oft tödlich. Zu den HPAI zählen vor allem die Subtypen H5 und H7. In der aktuellen Vogelgrippesaison handelt es sich um H5N8.

Die Übertragung der Viren von Tier zu Tier geschieht bei Freilandhaltung vermutlich über die Nahrungsaufnahme, bei Stallhaltung auch über das Wasser und die Atemluft. Nach einer Inkubationszeit von Stunden bis wenigen Tagen erkranken die Tiere, nach kurzer Krankheitsdauer kommt es zum Tod oder nach wenigen Tagen zur Genesung der Tiere, die dann auch keine Viren mehr ausscheiden.

Während die Seuche im letzten Jahrhundert durch Keulung immer restlos ausgerottet wurde, wird das Virus, seit 2003 Geflügel in China, Indonesien, Vietnam und Ägypten geimpft wird, latent dauerhaft erhalten und weiterverbreitet. Während die geimpften Tiere nicht erkranken, verbreiten sie das Virus unbemerkt weiter unter dem Schirm des Impfschutzes. Seitdem kam es auch häufig zu Mutationen und Rekombinationen der Viren.

Die Geninformation des Grippevirus ist recht gering, das Virus besitzt nur 8 Segmente, ein Austausch von Segmenten ist bei gleichzeitiger Infektion mit 2 Virentypen möglich (Rekombination).

Punktuelle Mutationen in den RNA-Strängen (Segmenten) treten regelmäßig auf, anhand dessen lässt sich die Verwandtschaft der Viren gut belegen (Gensequenzen).

Während beim aktuellen Geflügelpestgeschehen die Geflügelpestfälle weltweit zunehmen, lässt sich gleichzeitig ein Rückgang vieler Wildvogelbestände verzeichnen, auch bei den Zugvögeln. Der internationale Geflügelhandel wächst, dabei zentriert sich der Handel auf einige wenige große Betriebe mit zentralen Schlachthöfen. Und das alles im Kampf der EU und der USA um die asiatischen Märkte, bei gleichzeitig steigenden EU-Exporten von Lebendgeflügel (Quelle: Comtrade).

Wir haben nun zwei sich widersprechenden Hypothesen:

1. Wildvögel bilden ein Reservoir für HPAI-V, Zugvögel verbreiten die AI-V weltweit, Wildvögel von Stall zu Stall.

2. Die Geflügelpest wird endemisch durch Impfungen (tritt dauerhaft gehäuft in begrenzten Regionen auf), die Viren werden indirekt durch Menschen verbreitet, entscheidende Faktoren sind sowohl Betriebsabläufe als auch der interkontinentale Geflügelhandel, Wildvögel sind das Opfer.

die entscheidend sind für die Bekämpfungsstrategie. Stallzwang und Impfung, oder, Kontrolle von Geflügelkonzernen, Schlachthöfen und Exporten. 

Die Hypothese, dass Wildvögel ein Reservoir für HPAI bilden, und die Viren dadurch endemisch werden, hat sich anhand eines EU- und weltweiten Monitorings nicht bestätigt: H5 Linien verschwanden nach kurzer Zeit, während der Brutzeit in Sibirien konnten keine Viren nachgewiesen werden.

Dass HPAI-Viren von Zugvögeln regelmäßig verschleppt werden, konnte anhand der Fallbeispiele von Ägypten und Russland widerlegt werden: während H5N1 in Ägypten in den Wildvogelpopulationen seit dem 17.02.2006 nachweislich endemisch ist, gab es keine Folgen für den Vogelzug.

2014 wurde H5N8 aufgrund des Gelfügelhandels von Süd-Korea nach Europa durch Frachtflüge eingeschleppt, während man auf der Hauptflugroute sibirischer Wasservögel H5N8 nicht nachweisen konnte.

Nachdem das Virus zuerst aus der VR China nach Südkorea eingeschleppt wurde, zirkulierte es zunächst unentdeckt in Hausentenbeständen. Nach Keulung eines Großteils der Tiere entspannte sich die Lage vorerst zum Sommer hin, bis man Hausenten-Eintagsküken aus Europa (England und den Niederlanden) und später Hühner-Eintagsküken aus den USA importierte. Die Rolle der Cherry Valley Farms in England war vorerst ungeklärt. Vermutlich wurden die Viren von dort aus zunächst nach Holland, später in die USA eingeschleppt. Die Viren zirkulierten völlig unauffällig, bis sie in Putenhaltungen in Deutschland (Heinrichswalde) und Kanada (British Columbia) eingeschleppt wurden.

Schon 2014 versuchte man entgegen der Nachweise der Zusammenhänge zwischen den Handelsrouten und der Ausbreitung von H5N8 , die Verbreitung der Viren mit Hilfe der Wildvogelthese zu erklären, und das, obwohl anhand der Gensequenzen eindeutig ein Zusammenhang zwischen der Lieferung von Eintagsküken (Hausenten und Hühnern) Mitte des Jahres aus NL und UK nach Südkorea aufgezeigt werden konnte. Das gleiche gilt für die Lieferung von Hühnern-Eintagsküken aus den USA im Hochsommer 2014.

2016 wurde H5N8 erneut nach Europa eingeschleppt, dieses Mal wieder aufgrund des Gelfügelhandels von China nach Europa durch Frachtflüge. Zuerst erfolgte nach Zirkulation des Virus in Ost-China eine Verschleppung der Viren zum Uvs Nuur See in der Mongolei und zum Quinghai-See in China im Mai 2016, und im Oktober 2016 nach Indien und Ungarn. Am 19.10.2016 erfolgte der erste Nachweis bei einem Höckerschwan in Ungarn.

Wieder gab es keine Nachweise von H5N8 in Sibirien und auf der Hauptflugroute sibirischer Wasservögel nach Europa / Deutschland.

Nachdem H5N8 im Oktober 2016 in Ungarn erstmalig nachgewiesen wurde, gelangte es über Ungarisches Importgeflügel direkt nach Polen (56%), Österreich(27%) und Deutschland (16%). Von Polen gelangten Teile des Geflügels auch noch nach Deutschland. Bulgarien, Rumänien, Slowakei und Italien stellen mit 1% Importquote ungarischen Geflügels nur eine Randgruppe dar. Importiert wurden ausschließlich Tiere über 185 g Gewicht, also keine Eintagsküken. (Quelle: Comtrade) PHW/Wiesenhof ist zu 50% an dem großen, ungarischen Entenmästerbetrieb Bacs Tak beteiligt.

Die weitere Verbreitung der H5N8 Viren ins Freiland erfolgte in Polen, in der Nähe zu Hühnerschlachthöfen von Dobrimex (Tochterfirma der PHW-Gruppe / Lohmann & Co. AG, ‚Wiesenhof + Bruzzzler‘)

Doch welche Unterschiede gibt es bei H5N8 im Vergleich der Grippewelle 2014/2015 und 2016/2017? Während das FLI fälschlicherweise vermutet, dass H5N8 zu einem gefährlicheren Virus mutiert ist, gibt es einen objektiven Unterschied. 2014/2015 beschränke sich H5N8 auf einen Betrieb: die Cherry Valles Farms in England, während sich das Virus 2016/2017 innerhalb der Geflügelwirtschaft schneller und weiter verbreitete (PHW-Gruppe, Kartzfehn) und in der Folge auch mehr Kleinhaltungen und Wildvögel betroffen waren. Von 84 getesteten Wildvögeln waren 46 positiv auf H5N8: 27 Reiherenten, 8 Höckerschwäne, 4 Mantelmöwen, 4 Sturmmöwen, 1 Lachmöwe, 1 Mäusebussard, 1 Eiderente. Erster Fund war eine Reiherente in Copenhagen am 10.11.2016.

Betrachtet man die Straßenkarte im Vergleich mit allen offiziellen H5N8 Nachweisen des FLI in Deutschland, so erkennt man eine Ansammlung aller Fälle längs von Autobahnen, respektive der Handelsrouten. Besonders signifikant stellt sich die Lage in Süddeutschland dar.

Während zum Ende des Jahres 2016 bei den Wild- und Parkvögeln hautsächlich Wildenten betroffen waren, änderte sich das Spektrum der H5N8 positiv getesteten Vögeln hin zu Aas- und Fischfressern, im Februar 2017 waren primär Parkvögel betroffen. Die Zahlen insgesamt sind rückläufig.

Bei den Geflügelhaltungen änderte sich der Befall mit H5N8 von anfänglich Kleinhaltungen Richtung kommerzielle Massentierhaltung, und immer wieder waren auch Zoos betroffen. Hier steigen die Fallzahlen.

Beim Verlauf der H5N8 Epidemie befand sie die Anzahl der betroffenen Schwäne Anfang Februar auf dem Höhepunkt mit 30 Tieren / Wochen.

In Bulgarien kam es am 19.12.2016 zu ersten Ausbrüchen nach Import von Eintags-Entenküken am 05.12.2016 von Ungarn. Insgesamt waren 9 Regionen betroffen, davon 49 Wirtschaftsbetrieben (47 Entenfarmen und 2 Legehennenbetrieben), sowie 10 Privathaltungen.

Zusätzlich zu diesen Fällen wurden am Flughafen in Frankfurt 7500 gesunde ‚Eintagsküken‘ getötet, weil sie die max. Transportdauer von 72 Stunden, in der sie sich von ihrem Dottersack ernähren, überschritten hatten, nachdem die Einreise der in Ungarn geschlüpften Küken in Turkmenistan verweigert wurde, und sie deshalb zurück nach Frankfurt geflogen werden mussten.

Betrachtet man nun alle Fakten, kann man folgendes Resümee ziehen:

Flugrouten und Zugwege der Wildvögel korrelieren weder zeitlich noch räumlich mit der Vogelgrippe, weder 2005-2007 bei H1N1, noch 2014-2016 bei H5N8. Fliegen Zugvögel aus Infektionsgebieten in andere Regionen, so tritt dort kein HPAI auf (z.B. Arktis, Nordindien, Australien). Geflügelpest stoppt vor Ländergrenzen, wird jedoch zwischen Handelspartnern verbreitet (östl. Asien, Türkei, Europa). HPAI tritt primär in den Zentren der Geflügelwirtschaft auf, und nicht dort, wo sich Zugvögel konzentrieren. Bisher existiert kein Nachweis der Übertragung von HPAI von Wildvögeln auf Geflügel, jedoch tritt die Geflügelpest immer wieder in geschlossenen Haltungssystemen mit Biosecurity Maßnahmen auf.

Melani Marfeld