Leptospirose ist eine klassische Zoonose, die besonders häufig durch Kleinnager wie Ratten übertragen wird. Während die Reservoirtiere die Erreger lebenslang über den Urin ausscheiden, erkranken sie in der Regel selbst nicht daran.
Bei Verdacht auf eine Infektion mit Leptospirose ist eine schnelle Diagnostik entscheidend, da eine frühzeitige Antibiotikabehandlung z.B. mit Doxycyclin schwerwiegende Verläufe verhindern kann.
https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_Leptospirose.html?nn=16777040#doc16792836bodyText5
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„Es war nur ein kleiner Kratzer“
Es war nur eine kleine Verletzung am Finger.
Nichts Dramatisches. Ein Kratzer, wie er beim Arbeiten im Hühnergehege eben vorkommt.
Sie mistete aus, kümmerte sich um ihre Tiere, alles wie immer.
Was sie nicht wusste: Im Boden und im feuchten Bereich des Geheges befand sich Urin von Ratten.
Wenige Tage später bekam sie grippeähnliche Symptome.
Fieber. Gliederschmerzen. Abgeschlagenheit.
Dann wurde es ernst.
Die Diagnose lautete: Leptospirose.
Eine bakterielle Infektionskrankheit, die unbehandelt tödlich verlaufen kann.
Warum Hühnerhalter Leptospirose kennen sollten
Hühnerhaltung bedeutet Verantwortung – für unsere Tiere und für uns selbst.
Was viele jedoch nicht wissen: Bestimmte Infektionen können über kleinste Verletzungen übertragen werden.
Eine davon ist Leptospirose.
Die folgende Geschichte veröffentliche ich mit ausdrücklicher Zustimmung der Betroffenen – weil ich möchte, dass andere Hühnerhalter geschützt sind.
Sie soll sensibilisieren – nicht verunsichern.
📝 Erfahrungsbericht von Kerstin Bergermann
„Mal etwas zum Thema Nager und Gesundheit der Menschen.
Ich möchte Euch heute zur Warnung meine selbst gerade erlebte Geschichte erzählen.Ich bin 57 Jahre alt, bisher gesundheitlich top fit, keine Vorerkrankungen. Ich lebe meinen Traum mit Pferden, Hunden, Hühnern und weiteren Tieren auf einer alten Mühle. Natürlich gibt es dort auch Ratten – man sieht sie nicht, aber ihre Löcher, auch im Hühneraußengehege.
Vor etwa fünf Wochen bin ich im Hühnergehege durch Glatteis gefallen und habe mir dabei am Eis den Zeigefinger aufgeschnitten. Wunde verarztet – nichts Besonderes.
Zwei Wochen später ging es mir plötzlich schlecht. Ich dachte, ich hätte mir wieder Corona oder Influenza eingefangen. Fieber, Schmerzen, auf die Couch. Aber es wurde nicht besser.
Was diesmal anders war: Ekel, Würgereiz – ich konnte nichts essen, nur schluckweise trinken. Die Beinschmerzen wurden so schlimm, dass ich kaum noch laufen konnte.Mein Partner kam abends nach Hause, sah mich an und sagte: ‚Wie siehst Du denn aus?‘
Ich war gelb.Ab ins Krankenhaus. Nach ersten Untersuchungen hieß es:
‚Wir schicken Sie weiter in die Uniklinik – Sie haben Leber- und Nierenversagen.‘Selbst dort war ich ein Rätsel. Viele Ärzte standen an meinem Bett. Es war grenzwertig.
Wäre ich nicht in der Uniklinik gelandet, wäre ich wohl nicht mehr am Leben.Nach vielen Infusionen liefen die Nieren wieder an. Die Leber jedoch nicht. Ich bekam zwei Leberdialysen. Danach begann sie langsam wieder zu arbeiten.
Eine Woche Intensivstation. Zwei Wochen Krankenhaus.
Heute bin ich wieder zu Hause – schwach, mit Rollator unterwegs, wartend auf die Reha.
Ob ich jemals wieder so fit werde wie vorher, ist noch fraglich.Am Ende kam heraus: Ich hatte mich mit Leptospirose infiziert.
Diese Erfahrung möchte niemand erleben. Mitten aus dem Leben haut es Dich plötzlich um.
Also passt auf Euch auf – besonders bei Verletzungen im Tierbereich.
Ich werde nie mehr ohne Handschuhe bei den Hühnern arbeiten.“**
Wer Fragen hat, darf gerne mit der betroffenen Autorin des Textes Kontakt aufnehmen: [email protected]
Was ist Leptospirose?
Leptospirose ist eine bakterielle Infektionskrankheit, verursacht durch Bakterien der Gattung Leptospira aus der Klasse der Spirochäten.
Die Erreger werden vor allem über den Urin infizierter Tiere ausgeschieden – besonders häufig über Ratten.
Eine Ansteckung kann über kleinste Hautverletzungen und über Schleimhäute erfolgen, wenn kontaminierte Erde oder erregerhaltiges Wasser in Kontakt mit der Wunde kommen. Bereits wenige Leptospiren können zu einer Erkrankung führen (Mori M, et al. 1974).
Das Problem: Man sieht die Gefahr nicht.
Die Inkubationszeit beträgt im Mittel 7 - 14 Tage (2 - 30).
In Deutschland wird die Erkrankung unter anderem vom Robert Koch-Institut als meldepflichtige Infektion erfasst und überwacht. Die Fallzahlen sind zwar vergleichsweise gering – aber die Dunkelziffer ist vermutlich höher, da milde Verläufe oft nicht erkannt und somit nicht gemeldet werden.
Warum betrifft das besonders Hühnerhalter?
Hühnerhaltung schafft – so liebevoll sie auch betrieben wird – Bedingungen, die Ratten anziehen können:
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Futterreste
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Getreide- und Futtervorräte
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Feuchtigkeit in Stall und Auslauf
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Misthaufen
Viele von uns arbeiten regelmäßig:
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mit bloßen Händen
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mit kleinen Hautverletzungen
Genau hier liegt das Risiko.
Die betroffene Frau hatte keine große Wunde.
Nur einen kleinen Kratzer.
Und genau das macht diese Geschichte so wichtig.
Symptome – oft wie eine Grippe
Leptospirose beginnt häufig unspezifisch mit grippeähnlichen Symptomen:
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plötzlich einsetzendes Fieber (39 - 40°C)
- Schüttelfrost
- Kopf- und Gliederschmerzen
- Gelenk- und Muskelschmerzen
- starke Myalgien besonders in der Wadenmuskulatur
- starke Erschöpfung
- in der Frühphase oft ein morbilliformes Exanthem (masernähnlicher Hautausschlag)
In schweren Fällen kann es zu:
- Organbeteiligung
- Meningitis / Meningoenzephalitis
- Leberversagen mit Gelbsucht
- Nierenversagen
- inneren Blutungen
kommen.
Nicht jeder Verlauf ist schwer – aber er kann es werden.
Daher sollte jeder Verlauf ernst genommen werden.
Schutzmaßnahmen für Hühnerhalter
✔ Beim Ausmisten Handschuhe tragen
✔ Offene Wunden sofort reinigen und desinfizieren
✔ Futter vor Ratten geschützt lagern
✔ Die Hühner nur im Stall oder der Voliere füttern, Reste Abends wegräumen
✔ Stallbereiche möglichst trocken halten
✔ Rattenbefall konsequent kontrollieren
✔ Bei grippeähnlichen Symptomen nach Stallarbeit den Arzt darauf hinweisen
Aufklärung schützt.
Warum dieser Beitrag wichtig ist
Aufklärung schützt. Dieser Artikel soll keine Angst machen. Er soll sensibilisieren.
Hühnerhaltung bedeutet Verantwortung – für die Tiere, aber auch für uns selbst.
Viele wissen nicht, dass Leptospirose in diesem Zusammenhang eine reale Gefahr sein kann, und über kleinste Verletzungen übertragen werden kann.
Wenn dieser Beitrag nur einen Menschen dazu bringt, beim nächsten Ausmisten Handschuhe zu tragen – dann hat er einen wichtigen Zweck erfüllt.
Ein kleiner Kratzer sollte kein Gesundheitsrisiko werden.
Ratten übertragen auch für den Menschen gefährliche Erkrankungen wie Leptospirose.
Foto: Wanderratten (Rattus norvegicus) in einer Lebendfalle mit hochgradiger Räude an den Ohrmuscheln durch den Befall mit Notoedres muris.
Notoedres muris kann auch auf den Menschen übergehen und eine Pseudokrätze mit starkem Juckreiz auslösen.
⚠️ Wichtiger Hinweis für Hühnerhalter
Leptospirose ist eine meldepflichtige bakterielle Infektion, die über den Urin infizierter Tiere – insbesondere Ratten – übertragen werden kann.
Eine Ansteckung ist bereits über kleinste, oft kaum sichtbare Hautverletzungen möglich – besonders bei Arbeiten im feuchten Stall- oder Auslaufbereich.
Bitte beachten Sie:
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Tragen Sie beim Ausmisten und bei Stallarbeiten immer Schutzhandschuhe.
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Reinigen und desinfizieren Sie auch kleine Wunden sofort gründlich.
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Lagern Sie Futter geschützt vor Schadnagern.
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Achten Sie auf Anzeichen von Rattenbefall im Stallbereich.
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Informieren Sie bei grippeähnlichen Symptomen Ihren Arzt über Ihre Tätigkeit im Hühnerstall.
Frühes Erkennen kann schwere Krankheitsverläufe verhindern.
