Kochen für Hühner ist (k)ein neuer Trend.
Den Nachhaltigkeitsgedanken, auch Reste sinnvoll zu verwerten, gab es schon zu Zeiten unserer Urgroßeltern, und so wurden, um nichts zu verschwenden, Küchenabfälle auch an Nutztiere wie Hühner verfüttert. Doch heute ist die Fütterung mit Essenresten nicht mehr ganz so unproblematisch wie früher. Betrachten wir den aktuellen Trend einmal etwas genauer, auch aus rechtlicher Sicht.
Sind wir einmal ganz ehrlich, wer hat nicht schon einmal mit dem Gedanken gespielt, für seine Hühner zu kochen? Hühner lieben gekochtes Essen, egal ob Kartoffeln, Nudeln, Reis oder Gemüse. Und eine warme Haferflockensuppe an einem kalten Wintermorgen, die die Hühner von innen wärmt, klingt doch richtig verlockend. Oder schaden wir unseren Tieren damit vielleicht sogar ungewollt?
'Ein ganz besonderer Leckerbissen für Hühner ist Fleisch, denn Hühner sind ja schließlich Allesfresser.'
In der Natur suchen sie nach Würmern und Larven, Insekten, Spinnen und Schnecken und auch kleine Nager wie Mäuse werden gejagt und gefressen. Die Hühner verwandeln sich in wilde Dinosaurier, wenn es um besondere Leckereien geht. Immerhin sind sie die letzten lebenden Verwandten der Dinosaurier und direkte Nachkommen der gefiederten Theropoden, einer Gruppe von Raubsauriern, zu der auch der Tyrannosaurus Rex gehörte.
Aber sollte man Hühner deshalb auch mit Fleisch füttern? Das Verfüttern von Fleisch und Essensresten kann rechtlich und epidemiologisch problematisch sein.
Was viele nicht wissen: Die Verfütterung von Küchen- und Speiseabfällen an Nutztiere ist rechtlich klar geregelt – und grundsätzlich verboten.
NOT-TO-DO
Viele Lebensmittel die wir in der Küche verarbeiten sind für Hühner unbekömmlich, einige sind giftig und andere sogar verboten, um die Ausbreitung von Seuchen wie BSE oder Vogelgrippe zu verhindern.
Zum Thema >>> Fütterungsfehler <<< gibt es einen gesonderten Blogbeitrag.
SALZ
Schon 1% Salzgehalt der Nahrung kann dazu führen, dass Hühner schwere Durchfälle bekommen und die Legetätigkeit einstellen. Daher hat Salz in der Hühnerfütterung nichts verloren.
ZUCKER / SÜSSIGKEITEN / KUCHEN
haben keinen Nährwert für Hühner.
ALKOHOL
ist ein Nervengift für Hühner. Gärende, überreife Früchte können bei Hühnern zu Vergiftungserscheinungen führen.
MILCH
besonders rohe Milch kann zu langanhaltenden und schweren Durchfällen führen, da Hühnern das Enzym (Laktase) fehlt, um die Laktose abzubauen.
BROT
Aufgrund des Salzgehaltes ist Brot nicht zu empfehlen.
AVOCADO
enthalten das für Hühner giftige Persin, das bereits in kleinen Mengen Herzschäden, Atemnot, Lethargie und einen plötzlichen Tod durch Herzversagen verursachen kann.
ZITRUSFRÜCHTE
enthält große Mengen an Säure, die den Magen-Darm Trakt reizen und im schlimmsten Fall zu Darmblutungen führen kann.
NACHTSCHATTENGEWÄCHSE
grüne unreife Früchte, und Blätter von Tomaten oder Paprika, rohe Kartoffeln oder deren Keime und Grün enthalten große Gehalte an dem Alkaloid Solanin, dass toxisch ist.
AUBERGINE
enthält Solanin und Lektine, die für Hühner toxisch sind, besonders im rohe Zustand.
BOHNEN
rohe Bohnen enthalten ein giftiges Eiweiß namens Phasin, ein Lektin /Phytohämagglutinin, das die roten Blutkörperchen verklebt, schwere Magen-Darm-Schädigungen verursachen, und zum Tod führt.
HAFERFLOCKEN
Hafer enthält relevante Mengen an β-Glucanen, das sind wasserlösliche Nicht-Stärke-Polysaccharide, die Bestandteil der pflanzlichen Zellwand sind. Da Hühner keine nennenswerten Mengen des Enzyms β-Glucanase bilden, und auch die bakterielle Aktivität bestimmter Bakterien im Darm des Huhns wie Enterococcus faecium nicht ausreicht, um höhere Gehalte an β-Glucanen effizient abzubauen, bleiben sie im Darm weitgehend ungespalten.
Durch ihre ausgeprägte Wasserbindungsfähigkeit erhöhen β-Glucane die Viskosität des Darminhalts. Der eingedickte, zähe Nahrungsbrei kann die Nährstoffaufnahme beeinträchtigen und die Darmflora ungünstig verändern. Dies kann das Risiko bakterieller Darmerkrankungen, wie einer nekrotischen Enteritis, erhöhen.
Aus diesem Grund gelten Beta-Glucane als sogenannte antinutritive Faktoren. In der professionellen Geflügelfütterung wird Hafer daher nur begrenzt eingesetzt und mit β-Glucanase ergänzt, um die Verdaulichkeit zu verbessern.
Haferflocken sind energiereich, enthalten jedoch vergleichsweise wenig Eiweiß, Vitamine und Kalzium und sind daher als Alleinfuttermittel ungeeignet. Zudem quellen trockene Haferflocken stark auf. Bei übermäßiger Aufnahme können sie daher zu einer Kropfverstopfung führen. Sie sollten – wenn überhaupt – nur eingeweicht und in kleinen Mengen als Ergänzung zu einem ausgewogenen Alleinfutter angeboten werden.
Werden größere Mengen verfüttert oder ersetzen sie einen Teil des Hauptfutters, kann dies zu verminderter Futterverwertung, Leistungseinbußen und weicherem, feuchtem Kot führen. Eine dauerhaft feuchte Einstreu kann wiederum das Wachstum von Krankheitserregern begünstigen und das Risiko von Fußballenabszessen oder Atemwegserkrankungen erhöhen.
RECHTLICHER RAHMEN - DAS VERFÜTTERUNGSVERBOT
FLEISCH UND TIERISCHE PRODUKTE
Die Verfütterung von tierischen Proteinen (Fleischmehl, Tiermehl), Fleisch und Fleischabfällen (Speiseabfällen) und anderen tierischen Küchen- und Speiseabfällen an Nutztiere wie Geflügel, ist in Deutschland und der EU aufgrund von Tierseuchenschutzgesetzen (insbesondere BSE / TSE-Regelungen) weitgehend verboten.
Dieses Verbot dient der Tiergesundheit und ist in der EU Verordnung (EG) Nr. 1069/2009 (Tierische Nebenprodukte-Verordnung) und den entsprechenden EU-TSE-Verordnungen (Verordnung (EG) Nr. 999/2001) sowie nationalen Gesetzen wie dem TierNebG (Tierisches Nebenprodukte-Beseitigungsgesetz) verankert.
Das deutsche Tiergesundheitsgesetz (TierGesG) bildet dabei die Basis für die Bekämpfung von Seuchen im Inland.
HUNDE- UND KATZENFUTTER
das Verfüttern von Hunde- und Katzenfutter ist laut EU-Recht und nationalen Vorschriften (Lebensmittel und Futtermittelgesetzbuch) nicht zulässig. Demnach dürfen Futtermittel, die aus verarbeiteten tierischen Produkten bestehen, nicht an Nutztiere verfüttert werden, die für die Lebensmittelproduktion bestimmt sind.
Grundsatz: Verbot der Verfütterung von verarbeitetem tierischem Protein (VTP) an landwirtschaftliche Nutztiere, die der Lebensmittelgewinnung dienen.
- Wiederkäuer (Rinder, Schafe, Ziegen): Absolutes Verbot von verarbeitetem tierischem Protein (Säugetier- und Geflügelprotein).
- Nichtwiederkäuer (Schweine, Geflügel): Verfütterung von Fischmehl ist erlaubt.
- Verbot von Verfütterung tierischer Reste: Generell ist die Verfütterung von Protein, das aus Wiederkäuern gewonnen wird, an Nutztiere verboten (Feed Ban).
- Verbot von innerartlicher Fütterung: Es ist verboten, Nutztiere mit verarbeitetem Protein zu füttern, das aus demselben Tier gewonnen wurde (kannibalistisches Verfütterungsverbot).
- Verfütterung von verarbeitetem tierischem Protein aus bestimmten zugelassenen Insektenarten ist unter definierten Bedingungen erlaubt.
Diese Regelungen wurden schrittweise durch Änderungen, zuletzt maßgeblich durch die Verordnung (EU) 2021/1372, gelockert, basierend auf Risikobewertungen der EFSA.
KÖNNEN SICH HÜHNER DURCH EINE FÜTTERUNG MIT TIERISCHEN PROTEINEN MIT TSE INFIZIEREN?
Die gute Nachricht zuerst einmal vorweg:
nach derzeitigem wissenschaftlichem Kenntnisstand ist davon auszugehen, dass Prionen über prionenhaltiges Futter nicht auf Hühner übertragen werden können oder eine Prionenerkrankung auslösen.
Auch vom Geflügel selbst geht keine Gefahr in Bezug auf Prionen aus.
Das Verfütterungsverbot ist rein präventiv und sollte unbedingt eingehalten werden.
WAS IST BSE UND WIE WIRD ES ÜBERTRAGEN?
BSE ist die Abkürzung für Bovine Spongiforme Enzephalopathie und wird umgangssprachlich auch Rinderwahnsinn genannt. Bei BSE handelt es sich um eine Form von TSE / Transmissibler Spongiformer Enzephalopathie. Die Inkubationszeit liegt im Durchschnitt 4-6 Jahre beim Rind. Durch Verzehr von kontaminiertem Fleisch ist eine Übertragung der Krankheit auf den Menschen möglich, sie kann die variante Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJD) verursachen. Bislang wurden weltweit 230 Fälle von vCJD gemeldet.
Schon seit Jahrhunderten ist Scrapie, eine weitere Form von TSE bei Schafen, und in geringerem Maß auch bei Ziegen bekannt, jedoch unterliegt die Übertragung der fehlgefalteten Prionen epidemiologisch einer starken Artbarriere. Die Übertragung von Scrapie geschieht hauptsächlich vertikal vom Muttertier auf das Lamm, seltener horizontal. Daher werden mittlerweile zur Prävention gezielt Schafe auf genetische Resistenz gezüchtet (Scrapie-Resistenzzuchtprogramm).
Und obwohl eine Übertragung von Scrapie auf Rinder prinzipiell möglich ist, erfolgte sie in den 1990er Jahren vermutlich nicht direkt über Schafe, sondern durch das Verfüttern von Tiermehl, das aus mit Scrapie infizierten Schafen gewonnen wurde.
WAS SIND PRIONEN?
Physiologische Prionproteine sind Glykoproteine, die in Form von cellulärem Prionprotein (PrPc) mit Alpha-Helix-Struktur natürlicherweise im menschlichen und tierischen Körper vorkommen.
PrPc ist löslich und befindet sich hauptsächlich auf der Oberfläche von Gehirn- und Nervenzellen, genauer gesagt an der Außenseite der Plasmamembran von Nervenzellen (Neuronen) und Gliazellen im Zentralnervensystem, wo es über einen GPI-Anker (Glykosylphosphatidylinositol) verankert ist.
Es stabilisiert die physiologische Funktion von Nerven, indem es sie vor oxidativem Stress schützt, und ist an der Signalübertragung zwischen den einzelnen Nervenzellen beteiligt.
Pathogene Prionen (PrPsc / Scrapie-Prionprotein), Synonym: proteinaceous infectious particles, sind krankhafte, abnorm gefaltete, unlösliche Prionproteine mit Beta-Faltblatt-Struktur, die sich beim Menschen und bei Säugetieren als Amyloid-Plaques im Gehirn ablagern und durch Aggregation zum Untergang von Nervenzellen und einer tödlichen neurodegenerativen, schwammartig-löchrigen (spongioformen) Gewebezerstörungen des Gehirns führen (Transmissible Spongiforme Enzephalopathien / TSE).
Diese krankheitserregenden, fehlgefalteten Eiweiße besitzen im Gegensatz zu Viren oder Bakterien keine Nukleinsäuren (DNA / RNA), und haben die Fähigkeit, gesunde Proteine in die pathogene Form umzuwandeln.
Tenazität:
Pathogene Prionen weisen eine extreme Resistenz gegenüber herkömmlichen Desinfektionsmethoden, Hitze und Strahlung auf.
Entstehung:
Pathogene Prionen entstehen durch eine Konformationsänderung des körpereigenen, physiologischen Prionproteins (PrPc) mit Alpha-Helix-Struktur in die krankhafte Form (PrPsc) mit Beta-Faltblatt-Struktur.
Diese Strukturänderungen können sporadisch (spontan), genetisch bedingt (vererbt) oder durch Übertragung (infektiös) auftreten.
WARUM IST GEFLÜGEL NICHT BETROFFEN?
Beim Geflügel existieren keine natürlichen Fälle von Prionenerkrankungen.
In klinischen Studien konnten selbst hohe Dosen von Prionen weder oral noch parenteral auf Hühner übertragen werden, da Hühner gegenüber diesen Erkrankungen eine natürliche Resistenz aufweisen. Es gibt keine Belege dafür, dass die Aufnahme von prionenbelastetem Gewebe oder Tiermehl, welches Prionen enthält, zu einer Prionenkrankheit oder einer anderen Form von Nervenkrankheit bei Hühnern führt, wie es bei Säugetieren der Fall ist.
Nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand ist es somit nahezu auszuschließen, dass Prionen über prionenhaltiges Futter auf Hühner übertragen werden und dort eine Prionenerkrankung auslösen können.
WAS BEDEUTET DAS FÜR DEN EINZELNEN HÜHNERHALTER?
Wer Hühner hält, übernimmt Verantwortung – nicht nur für die eigenen Tiere, sondern für den gesamten Tierbestand einer Region, denn Seuchenschutz ist Gemeinschaftsschutz.
Die Einhaltung futtermittelrechtlicher Vorgaben mag im Alltag unbequem erscheinen, sie ist jedoch ein zentraler Bestandteil verantwortungsvoller Tierhaltung.
Die häufigsten Missverständnisse
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„Das sind doch nur Gemüsereste.“ - Entscheidend ist nicht die Absicht, sondern die Möglichkeit der Kontamination.
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„Meine Hühner bekommen ja kein Fleisch.“ - Schon Kontakt mit tierischen Produkten in der Küche kann problematisch sein.
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„Früher hat man das doch auch gemacht.“ - Tradition ersetzt keine heutige Seuchenprävention.
Warum ist der Gesetzgeber so streng in seinen Vorgaben?
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Es gibt viele Tierseuchen, die über Küchenabfälle übertragen werden können, nicht nur BSE.
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Küchenabfälle können tierische Bestandteile enthalten, es reichen schon Spuren um ein Tierseuchengeschehen auszulösen.
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Die Erhitzung im Haushalt ist kein standardisiertes Hygieneverfahren.
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Viren können extrem widerstandsfähig sein.
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Kreuzkontamination in der Küche ist kaum kontrollierbar.
Die Folgen wären gravierend
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Sperrbezirke
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Keulungen ganzer Bestände
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massive wirtschaftliche Schäden
Rechtliche Folgen bei Verstößen
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Ordnungswidrigkeiten
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Bußgelder
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Im Seuchenfall strafrechtliche Relevanz
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Haftungsfragen
Verantwortung von Hobbyhaltern
- Wer Tiere hält, übernimmt Verantwortung.
- Hühner sind Nutztiere – auch im Hobbybereich.
- Das Verbot dient dem Schutz aller Tierhalter, denn Seuchenschutz ist Gemeinschaftsschutz.
- Küchenabfälle sind kein harmloser Snack.
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Verantwortungsvolle Haltung bedeutet: zugelassenes, sicheres Futter verwenden.
Tierliebe zeigt sich nicht im Verwerten von Resten, sondern im Respekt vor den Schutzmechanismen, welche die Tiergesundheit aller Tiere sichern sollen.
Wer seine Hühner verwöhnen möchte, kann das auch ohne gegen Gesetze zu verstoßen.
Schaut Euch gerne meine Menüs für Leckerschnäbel & Gackergourmets an.
