Bakterien

Zu den bakteriellen Erkrankungen des Geflügels zählen:

  • Mykoplasmeninfektionen (Galliseptikum-Mykoplasmose, MG)
  • Ansteckender Geflügelschnupfen (Coryza contagiosa, Avibacterium paragallinarum)
  • Salmonelleninfektionen (u.a. Pullorum-Krankheit, Hühnertyphus)
  • Aviäre Intestinale Spirochätose (AIS)
  • Geflügelcholera (Aviäre Pasteurellose, Pasteurella multocida)
  • Colibacillose (Escherichia coli)

Mycoplasmeninfektionen (Galliseptikum-Mykoplasmose)

Die meisten Mykoplasmen, die Geflügel befallen, gehören der Gattung Mycoplasma an, und sind streng genommen keine Bakterien. Sie gehören zu den Prokaryonten, die sich von von Bakterien u.a. durch das Fehlen der Zellwand unterscheiden; daher sind sie einer eigenen Klasse (Mollicutes) zugeordnet worden.

Eine weltweit verbreitete, pathogene Art als Erreger von Atemwegserkrankungen beim Geflügel ist Mycoplasma gallisepticum (MG), ein Prokaryont aus der Klasse der Mollicutes und der Familie der Mycoplasmataceae, der die oberen Atemwege von Hühnern und Puten befällt, und sich aus deren Respirationstrakt isolieren lässt. Bei der Infektion kommt es häufig zu einer Mischinfektion mit anderen viralen oder bakteriellen Krankheitserregern.

Bei der Galliseptikum-Mykoplasmose handelt es sich um eine kontagiöse, subakut bis chronisch verlaufende Infektionskrankheit, die sich meist unauffällig entwickelt, und vor allem durch exsudativ-entzündliche Prozesse des Respirationstraktes charaktersiert ist.

Hauptinfektionsquellen sind latent infizierte oder chronisch kranke Tiere, die (über Monate oder Jahre) Träger des Erregers bleiben können. Jedoch können auch Wildvögel als Vektoren fungieren!

Inkubationszeit: 4 - 7 Tage, selten länger.

Die Übertragung erfolgt direkt von Tier zu Tier sowohl vertikal von der Henne über das Brutei, als auch horizontal innerhalb einer Herde und indirekt über lebende oder tote Vektoren (Tränken, Futterautomaten, Geräte, Transportboxen, Kot, Personen oder Haustiere) sowie aerogen (über die Luft). Bis sich alle Tiere einer Herde infiziert haben, können, abhängig von Haltungssystem, Bestandsgröße, Alter und Immunstatus der Tiere) mehrere Monate vergehen. Dabei gelangt der Erreger transovariell (durch den Eierstock) in das Brutei oder über die Schleimhäute von Respirationstrakt (Atemtrakt) oder Konjunktiven (Bindehäute) in das Tier.

Transovarielle Infektionen führen zumeist zur Embryoletalität. Die meisten Infektionen verlaufen jedoch latent, und führen lediglich zu einer leichten Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes in Form gemäßigter Leistungsminderungen. Jedoch kann es auch zu klinisch manifesten Erkrankungen kommen im Zusammenwirken mit anderen Infektionen wie ND, ILT oder IB und IB-Impfungen mit attenuierten Vakzinestämmen.

Daher gilt eine Infektion mit MG als Wegbereiter für chronische Atemwegserkrankungen (CRD, Chronic respiratory disease). 

Mycoplasma gallisepticum reagiert auf Tylosin (Tylosintratrat, Tylan soluble®), ein Antibiotikum. Cave: Tylosin wirkt bei Hautkontakt hoch allergen (Handschuhe tragen!). Tylosin verbessert zudem das Wachstum und verbessert die Futterverwertung, so dass die erkrankten Tiere schneller genesen. Eine Resistenzentwicklung von MG gegenüber Tylan ist möglich, jedoch erfolgt die Bildung von Resistenzen gegen Tylosin nur langsam.

Die Symptome können damit kurzfristig zurückgedrängt werden, eine Reinfektion ist bei durchgehendem Stallbesatz möglich, da das Bakterium außerhalb der Körpers in der Umwelt (Stall, Auslauf) eine beschränkte Zeit seine Infektionsfähigkeit erhält.

Tenazität:  max. 4 Tage bei 20°C.

Symptome: latente Infektionen können eine erhöhte Embryosterblichkeit, Entwicklungsstörugen oder Legeleistungsminderungen von 5-10% bewirken. Klinisch manifeste Erkrankungen führen zu Tierverlusten von bis zu 5% und Legeleistungsminderungen von bis zu 20%. Bei einzelnen Tieren sind in Kombination mit anderen Erregern Unterentwicklung, leichte bis schwere Dyspnoe, Nasenausfluß und Anschwellen des Infraorbitalsinus, sowie Peri- und Epicarditis möglich. In Einzelfällen: Bewegungsstörungen infolge exsudativer Entzündungen von Sehnenscheiden und Gelenken oder zentralnervöse Ausfallserscheinungen, Fibrinöse Entzündungen der Luftsäcke und des Legedarms / Genitaltraktes. 

MG verursacht chronische Entzündungen der oberen Luftwege, der Luftsäcke und Konjunktiven (Bindehäute des Auges).

Therapie: mehrtägige Makrolidantibiotika (Tylan) Behandlung über das Trinkwasser, bei Beteiligung anderer Erreger Einsatz von Medikamenten mit breitem Wirkspektrum (Gyrasehemmen wie Baytril, Tetracycline oder Aminoglykoside). Eine einmalige Behandlung führt nicht zu einem MG freien Bestand!

Diskutiert wird ein möglicher Zoonoseverdacht: so soll MG eine Reizung der Augenbindehaut (Konjunktivitis) beim Menschen hervorrufen können.

Eine Impfung gegen Galliseptikum-Mykoplasmose ist möglich: Nobilis® MG 6/85 - Trockensubstanz zur Herstellung einer Lösung (Mycoplasma gallisepticum-Lebendimpfstoff, gefriergetrocknet)

1 Dosis des rekonstituierten Impfstoffes enthält: Mycoplasma gallisepticum, Stamm MG 6/85, lebend (attenuiert), 106,9– 108,5 KBE (Kolonie bildende Einheiten) in stabilisierender Lösung.

Ansteckender Geflügelschnupfen 

(Synonyme: Coryza contagios gallinarum, infectious coryza of chickens, "Eulenkopfkrankheit")

Der ansteckende Geflügelschnupfen ist eine hochkontagiöse, akut verlaufende Infektionskrankheit der oberen Atemwege mit dem primär pathogenen Avibacterium (A.) paragallinarum (haemophilus paragallinarum) aus der Familie Pasteurellaceae. Unter Beteiligung anderer Erreger kann der Geflügelschnupfen in eine chronische Atemwegserkrankungen (CRD, Chronic respiratory disease) übergehen. Betroffen sind vor allem  kleine Bestände mit mehreren Altersgruppen.

Inkubationszeit: 1-3 Tage

Tenazität: geringe Überlebensfähigkeit in der Aussenwelt, nicht vermehrungsfähig im Stallmilieu, in erregerhaltigem Exsudat / Gewebe bei 37°C bis zu 48 Std., bei 15°C bis zu 72 Std. infektiös.

Übertragung durch infizierte, chronisch kranke Hühner, oder Tiere, die nach überstandener Infektion Dauerausscheider sind, entweder direkt von Tier zu Tier oder indirekt über lebende und tote Vektoren, Tränkwasser, aerogen, vor allem in Boden- und Auslaufhaltung.

Es existieren zwei Verlaufsformen:

protrahierter Verlauf, bei dem der Schweregrad der Symptome bei verlängerter Krankheitsdauer moderat zunimmt, und auf den oberen Respirationstrakt beschränkt ist.

schwerer protrahierter Verlauf, durch synergistische Interaktionen zwischen A. paragallinarum und anderen Erregern (z.B. IB, ILT, Mycoplasma gallisepticum, virulente E. coli) mit schwerem, langanhaltendem Kranheitsverlauf (CRD) und Ausweitung auf den unteren Respirationstrakt und andere Organsysteme.

Morbidität: mehr als 80%

Mortalität: bei komplikationslosem Verlauf gering

Krankheitsdauer: 7-10 Tage bei schwachvirulentem Erreger, 14 - 21 Tage bei hochvirulentem Erreger

Symptome: die Herde zeigt reduzierte Futter- und Wasseraufnahme, grünen dünnflüssigen Kot, eine Abnahme der Legeleistung < 20%, sowie reduziertes Verhalten. Die einzelnen Tiere leiden unter durchsichtig-schleimigem, später trüb-flockigem Nasenausfluss, Konjunktivitis, entzündlichen Ödemen im Infraorbitralsinusbereich ("Eulenkopf"), niesen, zeigen Schnabelatmung mit dyspnoeischen Atemgeräuschen und Schleuderbewegungen des Kopfes aufgrund verklebter Nasenöffnungen. Bei chronischem Verlauf können die entzündlichen Prozesse auf Kehllappen und Augen übergreifen (wattle disease, Panophthalmie). In Kombination mit E. coli kann ein Krankheitsbild dem des "swollen head syndrom" identisch entstehen.

Normalisierung der Schleimhäute eine Woche nach dem Abklingen der Symptome.

Therapie: ß-lactam-Antibiotika, Tetracycline, Sulfonamide, Sulfonamid-Trimethoprim-Kombinationen, Gyrasehemmer. Nach 2 - 3 Tagen Behandlung (Tränkwasser) deutliche Remission. Nach Absetzen der Behandlung (5 - 7  Tage) erneutes Aufflackern der Erkrankung bis zur Entwicklung einer spezifischen Immunität der gesamten Herde. Beginn der Therapie im Idealfall erst nachDurchseuchen der ganzen Herde, frühestens 10 Tage nach Beginn der ersten Krankeitssymptome, um ein Wiederauftreten der Erkrankung - durch eine Beeinträchtigung des spezifischen immunologischen Geschehens durch Einsatz eines Therapeutikums - zu verhindern.

Bei komplikationslosem Krankheitsverlauf kann es sinnvoll sein, auf eine Behandlung zu verzichten, da sich rasch eine spezifische Immunität entwickelt.

Eine Impfung gegen den ansteckenden Geflügelschnupfen ist möglich: Nobilis® Coryza Injektionssuspension (Avibacterium paragallinarum-Impfstoff, inaktiviert)

Eine Impfstoffdosis (0,25 ml) enthält: 

Aktive Bestandteile: 

  • Haemophilus paragallinarum Stamm 083 (Serotyp A) mind. 1 CPD70 (70% Chicken protective dose) 
  • Haemophilus paragallinarum Stamm Spross (Serotyp B) mind. 1 CPD70 (70% Chicken protective dose) 
  • Haemophilus paragallinarum Stamm H-18 (Serotyp C) mind. 1 CPD70 (70% Chicken protective dose) 

Salmonelleninfektionen (Salmonellosen)

 

Salmonellosen

Salmonellosen sind akut bis chronisch oder symptomlos verlaufende Infektionskrankheiten des Geflügels, aber auch anderer Vogelarten, Kriech- und Säugetiere.

Einige virulente, nicht tieradaptierte Serovaren haben auch eine Bedeutung als Zoonose, so z.B. Salmonella (S.) Typhimurium und Salmonella (S.) Enteritidis.

Die an das Geflügel adaptierten Serovaren S. Pullorum (Weiße Kükenruhr) und S. Gallinarum (Hühnertyphus) nehmen eine Sonderstellung ein.

Inkubationszeit: 3 - 5 Tage.

Tenazität: im trockenen Kot 8 Monate - 2 Jahre, in Wasser bis zu 3 Wochen

Vorkommen: ubiquitär

Übertragung: eine vertikale Übertragung ist möglich, z.B. bei S. Enteritidis und ist besonders für empfängliche, junge Küken gefährlich. Des Weiteren erfolgt einehorizontale Ausbreitung innerhalb einer Herde über das Futter, durch Nagetiere (Ratten, Mäuse), Insekten, Wildvögel, Gerätschaften und den Menschen. 

Verlauf: der Verlauf hängt stark von der Virulenz des Erregers, der aufgenommenen Erregermenge , dem Alter und Immunstatus der Tiere und den Umgebungsbedingungen ab. Während es bei wenigen Tagen alten Küken durch orale Infektion und Ausbreitung auf die inneren Organe schnell zum Tod kommt, erkranken ältere Tier nur leicht. Aufgrund der bereits entwickelten Darmflora kommt es häufig nur zu einer vorübergehenden Infektion, jedoch können sich die Salmonellen auch im Intestinaltrakt, vor allem in den Blinddärmen, ansiedeln, wo sie, abhängig von der Virulenz, unterschiedlich lange persistieren, und sich auch systemisch auf Leber, Milz und Ovar ausbreiten. Dennoch kommt es nur sehr selten zu klinischen Symptomen (leichter Durchfall) und so gut  wie nie zu Todesfällen.

Symptome: Küken bis zu einem Alter von 2 Wochen zeigen ein gestörtes Allegemeinbefinden mit Müdigkeit, geschlossenen Augen, Abmagerung, Durchfall, verklebten Kloaken, geträubtem Gefieder und entzündlichen Umfangsvermehrungen im Bereich der Gelenke, sowie erhöhtes Wärmebedürfnis und erhöhte Mortalität. 

Propyhlaxe: Salmonellenfreie Elterntiere, Bruteier und Brutmaschinen (!!!) (Cave: fremde Bruteier!!!), Schadnager- und Insektenbekämpfung, Hygiene und Stallsauberkeit (Reinigung und Desinfektion in regelmäßigen Abständen und vor Neubesatz), kein Zugang für fremde Personen und Fahrzeuge(!!!),Futtermittelhygiene (dicht schließende Futtertonnen!) 

Eine Impfung mit Lebend- und Inaktivatimpfstoff gegen bedeutsame Serovaren wie Salmonella (S.) Typhimurium und Salmonella (S.) Enteritidis  ist möglich. Auch eine Verabreichung von Darmflorakulturen an Küken (competitive exclusion) verbessert den Immunstatus des Darms und verdrängt schädliche Bakterien von der Darmoberfläche (z.B. Phyto Darm Conditioner von Garvo®). Bei Legehennenbeständen von mehr als 1000 Tieren ist die Impfung gegen Salmonella (S.) Typhimurium und Salmonella (S.) Enteritidis sogar gesetzlich vorgeschrieben.

Therapie: sowohl eine Herden- als auch eine Einzeltierbehandlung ist nach Erstellen eines Antibiogrammes mit Resistenztest möglich. Jedoch besteht das Risiko der Resistenzbildung.

 

Pullorum- und Gallinarum-Salmonellose

(Synonyme: Weiße Kükenruhr, Pullorumseuche, Hühnertyphus, pullorum disease, fowl typhoid)

Die Serovaren S. Pullorum (Weiße Kükenruhr) und S. Gallinarum (Hühnertyphus) gehören zu den spezifisch wirtsadaptierten transovariell übertragbaren Salmonellen, die beim Geflügel eine hohe Embryosterblichkeit und septikämisch verlaufende, perakute bis chronische Erkrankungen hervorrufen.

Inkubationszeit: 2 - 5 Tage.

Tenazität: sehr widerstandsfähig gegenüber Umwelteinflüssen, mehrere 100 Tage in Brütereistaub, auf Federn und glatten Oberflächen (Keramik, Metall). In Einstreu und Erdboden 6 Monate. Wenige Stunden bei Sonnenlicht, Hitze und Desinfektionsmitteln.

Wirtschaftsgeflügelbestände sind frei von S. Pullorum und S. Gallinarum, im Gegensatz zu kleinen, extensiv gehaltenen Rassegeflügelbeständen. Geflügelbestände in Nordeuropa hingegen sind frei von S. Gallinarum. In Südeuropa und Nordafrika ist S. Gallinarum weit verbreitet.

Empfänglich sind neben Hühnern auch Puten, Perlhühner, Pfauen, Fasanen und andere Hühnervögel. Wildvögel, Mäuse, Fliegen und Zecken dienen als Vektoren (Krankheitsüberträger).

Die Übertragung erfolgt horizontal direkt von Tier zu Tier, aerogen und indirekt über lebende und unbelebte Vektoren (Personen, Geräte, Transportboxen). Die vertikale Übertragung über das Brutei durch latent infizierte Elterntiere hat vor allem für S. Pullorum eine große Bedeutung.

Deutliche Unterschiede in der Empfänglichkeit für S. Gallinarum (Hühnertyphus) lassen sich aufgrund genetischer Disposition auch beim Wirtschaftsgeflügel feststellen: die weißen Hybridlinien sind wesentlich weniger krankheitsanfällig, als die schweren braunen Hybridlinien.

Therapie: Antiinfektiva (Fluorchinolone, Sulfonamid-Trimethoprim-Kombination).

Eine Behandlung von Zuchtherden ist kontraindiziert, eine Sanierung der Herde durch Töten aller betroffenen Tiere (Seroreagenten) nach Bluttest soll salmonellenfreie Rasse- und Hobbygeflügelbestände bewirken. Was aber zu bezweifeln ist, da eine gleichzeitige Sanierung aller bestehenden Rassegeflügel- und Hobbybestände, sowie gleichzeitig eine Verhinderung von Tiertkontakt und Tieraustausch auf Geflügelmärkten-, Börsen, und -schauen, und das Ausschalten aller Vektoren (Ratten, Mäuse, Insekten) wohl kaum in der Praxis umzusetzen ist, und somit eine Reinfektion gesunder Bestände mehr als wahrscheinlich ist.

 

Salmonella S. Pullorum (Weiße Kükenruhr)

Morbidität: > 80% (Küken)

Mortalität: > 50% (Küken), Mortalitätsrate bei adulten Tieren nur leicht erhöht

Symtome: bei Küken persistierender Dottersack, schwere Allgemeinstörungen, Durchfall mit kalkweißem Kot (Leitsymptom), Atemnot, selten auch Augen- und Gelenkentzündungen sowie zentralnervöse Ausfallserscheinungen. Ältere Tiere zeigen gestörtes Allgemeinbefinden, Durchfall und evt. Abmagerung. Junghennen und adulte Hennen erkranken jedoch selten. Bei latent infizierten Zuchthennen verminderte Legeleistung, schlechte Brut- und Schlupfergebnisse.

Differentialdiagnostisch: Aspergillose, ND

 

Salmonella S. Gallinarum (Hühnertyphus)

Mortalität: > 80% bei braunen Legehybriden

Symptome: Klinisch manifeste Krankheitsphase 6 - 8 Stunden mit schwerer Hinfälligkeit bei septikämischer Erkrankung, bei braunen Legehybriden plötzliche Todesfälle, bis zu einer Gesamtmortalität von > 80%.


ZOONOSE!

Aviäre Intestinale Spirochätose (AIS)

Brachyspira spp. sind gramnegative, schraubenförmige, sich aktiv bewegende, aerotolerante, anaerob wachsende Bakterien der Gattung Brachyspira, Ordnung Spirochaetales, die in den Blinddärmen kolonisieren.

Nicht alle Arten sind pathogen.

Evt. geflügelpathogen sind:

  • Brachyspira intermedia (vermutlich apathogen)
  • Brachyspira pilosicoli
  • Brachyspira alvinipulli (pathogen für Hühnerküken, Durchfallerreger)
  • B. hyodysenteriae 
  • B. innocens (vermutlich apathogen)

Eine Infektion ist vor allem für Lege- und Zuchthennen von Bedeutung (Prävalenz bis zu 70%), sie führt zu einer chronischen Erkrankung mit reduzierter Legeleistung, verzögerter Legereife, geringem Eigewicht mit schlechter Schalenqualität, breiigem Kot und Durchfall (Diarrhoe). Die Ausprägung der Symptome kann gering sein. Eine Verbreitung der Infektion erfolgt direkt über orale Aufnahme von Kot infizierter Tiere, und indirekt über Fliegen als Vektoren.

Therapie: Tiamulin

Geflügelcholera (Aviäre Pasteurellose, Pasteurella multocida)

Pasteurella multocida sind primär pathogene, gramnegative, unbewegliche, sporenlose Stäbchen mit aeroben oder fakultativ anaerobem Wachstum. Man unterscheidet hochvirulente, mittelgradig virulente, schwachvirulente sowie avirulente Stämme.

Mortalität: 3,5 - 90%

Die Geflügelcholera ist eine relativ häufig beim Geflügel auftretende, verlustreiche, hochkontagiöse Erkrankung mit perakutem bis akutem septikämischem Verlauf und hoher Mobidität und Mortalität oder chronisch-lokalisiertem Verlauf.

Hühner erkranken zumeist erst nach der 16. LW über die Schleimhäute des Respirations- und Verdauungstraktes, sowie über Hautverletzungen.

Die Übertragung erfolgt horizontal direkt von Tier zu Tier, aerogen sowie über lebende (Wildvögel, Muriden (Mäuse), Ratten, Hunde, Katzen, Schweine und Insekten) und tote Vektoren (Gerätschaften).

Chronisch erkrankte Tiere sowie nach Krankheit genesene bleiben bleiben Träger des Erregers und sind somit eine Infektionsquelle.

Inkubationszeit: 4 Stunden - 9 Tage

Tenazität: Abtötung innerhalb weniger Stunden durch Desinfektionsmittel, Hitze (50°C für 10 Minuten), Sonnenlicht und Austrocknung.

Überlebensfähigkeit im Stallmilieu 7 - 14 Tage.

P.m. persistiert in der Maulhöhle von Nagern über Jahre hinweg!

Symptome: plötzliche Todesfälle (peraktuter Verlauf), gestörtes Allgemeinbefinden, Zyanose der Kopfanhänge, katarrhalische Rhinitis, Sinusitis, Konjunktivitis, Tracheitis, Broncho-Pneumonie, Organnekrosen, Durchfall, Ausfluss aus dem Schnabel (schleimig oder blutig), Torticollis (Halsverdrehen).

lokal: entzündlich-degenerative Veränderungen an Gelenken, Gelenkschwellungen, Sehnen, Knochen, Haut- und Schleimbeuteln, Hirnhäuten, Augen, Mittelohren und Eierstock, Kehllappenödeme und -abszesse ('Läppchenkrankheit').

Verlaufsformen in Abhängigkeit von der Virulenz des Erregers und dem Alter der Tiere:

peraktuer Verlauf: >50 % plötzliche Todesfälle innerhalb weniger Tage

akuter Verlauf: Todesfälle nach 2 - 4 Tagen 

chronisch: über 1 - 2 Wochen dauernder Krankheitsverlauf

Therapie: initial Langzeitsulfonamide i.v., Weiterbehandlung mit Sulfonamiden oder Oxytetracyclin über das Trinkwasser für mind. 10 Tage p.v., und aktiver Immunisierung mit einem Adjuvans-Totvakzin während der Behandlung zur Rezidivprophylaxe.

Möglich sind auch: CTC Chlortetracyclin 500 ppm (Trinkwasser), Erythromycin (100 mg / l Trinkwasser), Enrofloxacin 10mg / kg Körpergewicht i.m., Sulfaquinoxalin 200 ppm (über das Futter), Amoxicillin 250 ppm (über das Futter).


ZOONOSE! Durch direkten Tierkontakt, Biss- und Kratzverletzungen auf den Menschen übertragbar!

(Lokale, eitrige Entzündungen, Wunden und Lymphknoten, eitrige Bronchitis, eitrige Bronchopneumonie.)

Escherichia coli 

Escherichia coli ist ein gramnetatives, säurebildendes, bewegliches Stäbchenbakterium aus der Familie der Enterobacteiaceae, ist ubiquitär, man findet es als Bestandteil der normalen Darmflora. Auch beim Geflügel gehört es zur normalen Darmflora mit ca. 1.000.000 Keime / g, wovon ca. 10% potentiell pathogene Serotypen sind.

Im Normalfall löst dieser Keim aber keine Krankheiten aus.


Beim Geflügel sind zumeist die Serotypen O1, O2, 35, 78 und O111 potentiell pathogen.

Essentielle Virulenzfaktoren aviärer pathogener Stämme sind Fimbrien (Pili), Toxine, Siderophore (eisenbindende Verbindungen) und Hämolysine (zerstören die roten Blutkörperchen). Diese Serotypen sind zumeist Antibiotikaresistent.

Die Übertragung erfolgt zumeist aerogen über erregerhaltigen Staub, Kot oder das Wasser, sowohl horizontal innerhalb einer Herde, als auch vertikal über das Brutei, direkt oder indirekt über die Stalleinrichtung.

Tenazität: bis zu 1 Monat im feuchten Milieu, Boden, Wasser, getrocknetem Kot.

Bei 60 °C wird der Keim innerhalb von 30 Minuten inaktiviert, ebenso durch Desinfektionsmittel.

Inkubationszeit: 1 - 5 Tage.

Während durch konnatale Übertragung die Embryonen bereits im Brutei absterben können, oder die Küken kurz nach dem Schlupf, infizieren sich ältere Küken i.d.R. horizontal.

Bei erwachsenen Tieren handelt es sich fast ausschließlich um eine Faktorenkrankheit, Fehler im Haltungsmanagement, Stress durch zu hohen Tierbesatz, Ammoniakbelastung der Luft, Beginnende Legetätigkeit, sowie zusätzliche Infektionen bakterieller, viraler oder parasitärer Art.

In der Folge zeigt sich eine Septikämie (Coliseptikämie).

Symptome:

Apathie, aufgeplustertes Gefieder und Durchfall. 

Lahmende Tiere mit warmen, dicken Gelenken (primär Fersengelenk).

Hohe Embryo- und Kükensterblichkeit sowie vermehrt lebensschwache Küken mit Nabelentzündung (Omphalitis), rotem, geschwollenem Nabel, und nicht oder ungenügend resorbiertem Dottersack, Herzbeutelentzündung (Pericarditis), kümmerndes Wachstum, Durchfall.

Reduzierte Legeleistung bei adulten Hennen, angekündigt durch einen großen Anteil schalenloser Eier (Windeier).

Nach anderen respiratorischen Erkrankungen wie IB, oder Mycoplasmen ist auch eine Infektion des Respirationstraktes möglich: Symptome sind Niesen, Nasenausfluss, Atemgeräusche, Schwellungen im Kopfbereich; Luftsackentzündung, Bauchfellentzündung (Peritonitis), Herzbeutelentzündung (Pericarditis), Leberkapselentzündung (Perihepatitis).

Bei Befall der Gelenke: Synovitis, Osteomyelitis mit Bewegungsstörungen, Lahmheit und Gelenkschwellungen.

Bei Salpingitis (Eileiterentzündung) zeigen sich keine spezifischen klinischen Symptome, die Legetätigkeit wird eingestellt, teilweise zeigen die Hennen eine Pinguinstellung wie bei Legenot.

Die Erkrankung kann perakut bis akut verlaufen, auch mit plötzlichen Todesfällen.

Mortalität und Morbidität:

1 - 15%, bei akut septischem Verlauf bei Küken bis zu 60%.

Vorbeugende Maßnahmen:

Sauberkeit! Saubere Legenester, regelmäßige Desinfektion von Bruteiern und Brutmaschinen, schmutzige Eier dürfen nicht bebrütet werden, Reinigung und Desinfektion der Ställe vor Neubelegung.

Therapie:

Antiinfektiva nach Antibiogramm und Resistenztest.

Die Herstellung von Stallspezifischen Impfstoffen ist möglich.


Wiesengang fördert das Auftreten von Coliseptikämien bei jungen Hennen zu Beginn der Legetätigkeit.