Der Gendefekt 'Asiatische Gefiederbremse'

Bei der Asiatischen Gefiederbremse handelt es sich nicht, wie man vielleicht meinen könnte, um ein Insekt, sondern um eine genetische Disposition für eine schlechte Erstbefiederung der männlichen Küken, die durch dominante, gonosomale (Geschlechtschromosomen gebundene) Gene, bedingt wird (K, Ks, Kn), die auf dem Z-Chromosom liegen (SF - Slow Feathering).

Das Gen K verursacht eine allgemeine verspätete Befiederung (man findet es hauptsächlich bei den asiatischen Rassen).

Das Gen Ks bedingt eine retardierte Befiederung während der ersten 12 Wochen.

Das Gen Kn bewirkt eine Retardierung der Befiederung bis das Tier ausgewachsen ist, kann zu einer Verhinderung der Kammausbildung führen und auch eine Atrophie der Bürzeldrüse bewirken.

Man diskutiert einen Zusammenhang zwischen dem Vorhandensein des K-Gens und dem gehäuften Auftreten von Leukose (ALV - aviäres Leukose Virus) aufgrund einer Interaktion verschiedener Gene (spez. dem EV21).

Das rezessive, gonosomale Allel (k+) bedingt eine schnelle Befiederung (RF - Rapid Feathering).

Betroffen von der Asiatischen Gefiederbremse sind vor allem Hähne asiatischer Rassen (zu denen auch die Dt. Lachshühner gehören) mit einem Gewicht über 2,5 kg.

Die Asiatische Gefiederbremse ist eine genetisch bedingte Retardierung der Befiederung, vornehmlich eine schlechte Befiederung von Junghähnen.

Fotos: junger Lachshahn mit Gefiederbremse

(vermutlich durch rezessives, autosomal bedingtes Gen t)

(Kein Schwanz, 6 stark verkürzte Handschwingen und keine Armschwingen im Alter von 10 Tagen)

Hähne befiedern im Normalfall auch ohne Asiatische Gefiederbremse (also ohne das Vorhandensein von K, Ks und Kn) langsamer als Hennen.

Während eine gleichaltrige Henne schon fast voll befiedert ist, zeigen sich beim Hahn hingegen erst die ersten Schwungfedern bei ansonsten gleichzeitig mit wenig Flaum behafteten, oder kümmerlich befiedertem Körper.

Foto: junger Lachshahn in wsc ohne Asiatische Gefiederbremse (nur später befiedert als gleichaltrige Hennen)

Solche Tiere benötigen mehr und länger Wärme (z.B. in Form einer Wärmeplatte), da die Körpertemperatur nur von einem komplett ausgebildeten Gefieder gehalten werden kann, und Tiere mit einem nicht kompletten Gefieder schneller auskühlen.

Nichts desto trotz werden auch diese Tiere letztendlich ein komplettes Federkleid aufweisen.

Diese Eigenart bezüglich der langsamen Befiederung der Hähne kann man sich zunutze machen, um das Geschlecht der Küken frühzeitig zu bestimmen.

Neben der Asiatischen Gefiederbremse gibt es auch noch rezessive, autosomale (körpergebundene) Gene, die eine Gefiederbremse verursachen können (t, ts).

Das Gen t bewirkt eine langsame, aber weniger verzögerte Befiederung, bis zum Alter von ca. 6 Wochen.

Das Gen ts bewirkt eine deutlich verzögerte Befiederung, bis zum Alter von ca. 8 Wochen und darüber hinaus.

Das dominante, autosomale (körpergebundene)Gen (T+) bedingt eine normale und schnelle Befiederung.

Normal befiederte Küken tragen die Gene k+ und T+.

 

Beurteilung über das Vorhandensein von K, Ks, Kn, k+, t, ts und T+ (Genotyp) anhand des Phänotyps:

Im Alter von 10 Tagen

  • haben genetisch gesunde k+/T+ Küken einen ca. 2 cm langen Schwanz und Schwingen, die den Körper fast bis zum Schwanz bedecken
  • K, Ks, Kn Küken haben keinen Schwanz und nur schlecht entwickelte Schwingen
  • k+, t Küken haben keinen Schwanz, 6 stark verkürzte Handschwingen und keine Armschwingen
  • k+, ts Küken haben keinen Schwanz aber nur 3 - 4 normal entwickelte Handschwingen

 

Im Alter von 8 Wochen

  • haben genetisch gesunde k+/T+ Küken einen Schwanz, der sich von der Mitte aus befiedert
  • Küken mit Gefiederbremse (K, Ks, Kn, t, ts) haben ausgefranste Schwanzfedern, die an der Basis weicher sind

 

Um eine Ausbreitung der Asiatischen Gefiederbremse zu vermeiden, sollte man mit solchen Tieren nicht züchten, da sich die langsame Befiederung dominant vererbt.

Die Asiatische Gefiederbremse hat auch noch andere Folgen: Flügellücke (fehlende Axialfeder), mangelhafte Axialfeder, Kipp- oder Scherenflügel, kurze Sicheln und Nebensicheln, verlängerte Mauser können auftreten.

Bei der Flügellücke fehlt die Axialfeder (schwarz):

Geschlechtschromosomen gebundene Vererbung


Während Menschen ein XY/XX-System haben, haben Hühner ein ZW/ZZ-System.

XY/XX-System: Frauen haben zweimal das gleiche Geschlechtschromosom, nämlich zwei X-Chromosomen. Sie sind daher bezüglich der Gonosomen homozygot. Männer haben hingegen ein X-Chromosom und ein Y-Chromosom. Diesen Zustand nennt man hemizygot. Von der Mutter wird also immer ein X-Chromosom weitergegeben, vom Vater entweder ein X- oder ein Y-Chromosom. Alle anderen Chromosomen, die Autosomen, sind in jeweils zwei Kopien vorhanden.

ZW/ZZ-System: im Gegensatz zu den Menschen sind bei den Hühnern beim ZW/ZZ-System die Hennen hemizygot, sie haben ein W- und ein Z-Chromosom, während die Hähne zwei Z-Chromosomen haben. Daher wird das Geschlecht der Küken auch von den Hennen bestimmt, und nicht vom Hahn.

Bei Tierarten mit ZW/ZZ-System sind die weiblichen Tiere häufiger von geschlechtsgebundenen Erbkrankheiten betroffen, da sie nur eine Kopie des Z-Chromosoms besitzen.

Im Falle der Asiatischen Gefiederbremse sind jedoch fast ausschließlich Hähne betroffen, die die entsprechenden Gene (K, Ks, Kn) auf dem Z-Chromosom tragen.