Physiologie des Geflügels

Unter Physiologie versteht man den Ablauf der Lebensvorgänge, die Funktionen von Geweben, Organen und Organsystemen und wie diese Funktionen gesteuert und reguliert werden.

Darunter fallen z.B. die Körpertemperatur und ihre Regulation, die Atmung, die Pulsfrequenz, der Blutdruck und die Sinnesorgane.

 

1. Körpertemperatur

Die Körpertemperatur liegt bei Hühnern bei 39,8 - 43,6°C, und ist um 16:00 Uhr am höchsten und um 24:00 Uhr am niedrigsten. Temperaturen über 43°C gelten bei Hühnern schon als Fieber. Fieber erkennt man an der schweren Benommenheit der Tiere und, aufgrund der Blutgefäße im Kamm, an einer evt. Blaufärbung des Kammes.

Normaltemperatur (in der Kloake gemessen): 41 - 41,9°C.

Reguliert wird die Körpertemperatur durch die Zirbeldrüse im Gehirn.

Hühner besitzen keine Schweißdrüsen, und ertragen selbst große Kälte besser, als Temperaturen über 25°C, das sich bei Hitze schnell ein Wärmestau im Körper bildet. Zur Abkühlung tauchen sie den Schnabel in kaltes Wasser, atmen hechelnd mit weit geöffnetem Schnabel ("Schnabelatmung"), und heben die Flügel an, damit die Luft unter den Flügeln zirkulieren kann.

 

2. Atmung

Die Atemfrequenz beträgt in Ruhe 20 - 30 mal pro Minute.

Hühner benötigen - in Bezug auf ihre Körpergröße - mehr Sauerstoff als eine Kuh. 

Daher ist ihr gesamtes Atmungssystem mit Lungen und Luftsäcken, dünnwandigen Anhängen der Lunge / Ausstülpungen Bronchien zur Optimierung der Atmung, auf eine sehr gute Sauerstoffversorgung ausgerichtet.

Ein Huhn verfügt über 8 Luftsäcke: Hals- und Schlüsselbeinluftsack, 2 vordere Brustluftsäcke, 2 hintere Brustluftsäcke sowie 2 Bauchluftsäcke.

In den Luftsäcken selber findet jedoch kein Gasaustausch statt. Sie dienen der Atmung als "Motor" und führen die Luft wie Blasebälge durch die Lunge, sind beteiligt an der Stimmbildung und, aufgrund ihres umfangreichen Kontaktes mit der Atemluft, an der Thermoregulation.

Des Weiteren halten die Luftsäcke den Partialdruck in der Lunge stabil.

Die Atmung der Hühner unterscheidet sich grundsätzlich von der der Säugetiere. Zwar gibt es auch hier Muskeln für die Inspiration (Einatmung) und Expiration (Ausatmung), sie wirken jedoch nicht auf die Lungen, da diese bei Hühnern unbeweglich im Brustkorb eingewachsen sind und keine Volumenänderungen ausführen können. 

Des Weiteren haben Hühner kein Zwerchfell.

Die wichtigsten Inspirationsmuskeln sind die Rippenanhangmuskeln (Musculi appendicocostales). Ihre Kontraktion führt zu einer Erweiterung des Brustkorbs. Auch die Abwärtsbewegung des Brustbeins trägt maßgeblich zu diesem Prozess bei. Dies führt zu einem Unterdruck in der Leibeshöhle und damit zu einer Erweiterung der Luftsäcke, wodurch Luft durch die Lunge hindurch angesaugt wird. Die wichtigsten Expirationsmuskeln sind die Bauchmuskeln, die die Leibeshöhle verengen und damit die Luft aus den Luftsäcken verdrängen.

Hühner verfügen über zwei verschiedene Atemtechniken:


2.1 Ruheatmung

Bei der Ruheatmung ist nur das hintere Luftsacksystem aktiv, sie besteht aus zwei Atemzügen. Dabei wird die Luft in einem ersten Atemzug von den beiden hinteren Luftsackpaaren durch das Neopulmo gesaugt, zum Teil gelangt auch Frischluft in diese Luftsäcke.

Das Neopulmo ist ein Teil der Hühnerlunge, der das Netzwerk aus laterodorsalen und lateroventralen Sekundärbronchien und ihren Parabronchien mit den kaudalen Luftsäcken verbindet. Der Neopulmo umfasst ca. 25% des Hühnerlungengewebes.

Damit befindet sich am Ende der Einatmung Mischluft mit einem noch nutzbaren Sauerstoffanteil in den hinteren Luftsäcken. Bei der Ausatmung wird diese Mischluft nun noch einmal durch die Lunge geleitet und somit viel effektiver ausgenutzt.

In einem zweiten Atemzug ziehen die vorderen Luftsäcke die Luft aus der Lunge, beim Ausatmen wird die Luft aus den vorderen Luftsäcken hinausbefördert.


2.2 Die forcierte Atmung

Bei vermehrter Atmung setzen Hühner zur normalen Atmung noch zusätzlich das vordere Luftsacksystem ein, das Frischluft durch den übrigen Teil der Lunge (Palaepulmo) saugt. Die verbrauchte Luft dieses Luftsacksystems gelangt bei der Ausatmung direkt in die Luftröhre, wird also nicht noch einmal durch die Lunge geleitet.

 

Beim Festhalten und bei der Manipulation von Hühnern ist die komplexe Atemmechanik zu beachten. Beim In-die-Hand-nehmen ist darauf zu achten, dass der Brustkorb nicht in seiner Bewegung eingeschränkt wird. Legt man Vögel auf den Rücken, so behindert die Last der übrigen Organe die Entfaltung der Bauchluftsäcke, und die Schwerkraft des Brustmuskels die des Brustbeins, so dass es schnell zu Atemnot oder gar zur Erstickung kommen kann. Auch beim panikartigen Zusammendrängen einer Hühnerherde kann es durch die Einengung des Brustkorbes innerhalb kürzester Zeit zum Erstickungstod der Tiere kommen.

 

Erste Hilfe-Maßnahmen:

zeigen sich bei einem Huhn / Hahn das man festhält oder hochhebt Anzeichen von Sauerstoffmangel, wie z.B. eine Blaufärbung des Kammes oder ein Erschlaffen der Körperspannung, so ist das Tier unverzüglich loszulassen, und auf die Erde zu setzen, da es sonst erstickt oder aufgrund des Sauerstoffmangels an Herzversagen stirbt. Stress kann die Problematik noch verstärken, und so kann ein ansonsten gesundes Tier sterben. Sollte das Tier weiterhin benommen sein, wird dem Tier unverzüglich etwas kaltes Wasser über den Kopf gegossen.

 

 

3. Pulsfrequenz, Blutdruck, Blutvolumen

Hühner haben eine Pulsfrequenz von 350 -470 Schläge pro Minute, wobei die Frequenz stark wechselt.

Der Kreislauf beim Huhn dauert 5,17 Sekunden, der arterielle Blutdruck beträgt beim Huhn 3 und beim Hahn 3,8 mm Hg. Das Blutvolumen beträgt ca. 7% des Körpergewichts.

 

4. Sinnesorgane 


4.1 Gesichtssinn

Mit einem Gesichtsfeld von 360° haben Hühner einen guten Rundum-Blick. Schnelle Bewegungen lösen Panik aus. Die Augen sind auf ca. 5 m Nahsicht und auf ca. 50 m Fernsicht eingestellt. Das ist auch ein Grund, warum sich Hühner ungern weiter als 50 m von ihrem Stall entfernen.

Um Gegenstände räumlich zu erfassen, muss das Huhn sie abwechselnd mit dem linken und dem rechten Auge ansehen. Bei viel Licht können Hühner Farben gut unterscheiden, Dunkelheit schränkt das Sehvermögen jedoch stark ein. Zur Scharfstellung der Sehkraft bewegt das Huhn den Kopf in der für ihn typischen Bewegung im Gehen.


4.2 Gehör

Das Gehör ist bei Hühnern sehr gut entwickelt. Es gibt über 30 verschieden Lautäußerungen, mit denen sie sich verständigen. Die Henne verfügt über das gleiche Geräuschrepertoire wie der Hahn, lebt es aber nicht aus (z.B. das Krähen). Laute Geräusche lösen Panik aus. Ein äußeres Ohr fehlt.


4.3 Tastsinn und Vibrationsorgane

Hühner verfügen über Tastkörperchen im Schnabel, unter den Flügeln und am Schwanzsansatz. Die Nahrung wird nicht nur nach Farbe sondern auch nach Korngröße ausgesucht. Eine Besonderheit beim Geflügel sind die Vibrationsorgane, die sich vor allem an den Beinen befinden, aber auch auf der übrigen Haut verteilt sind. Sie nehmen Schwingungen des Bodens und der Luft wahr, wodurch Feinde sehr schnell erkannt werden.


4.4 Geschmacksorgane

Der Geschmackssinn ist beim Huhn nur wenig ausgebildet, da die Zunge verhornt ist. Daher werden auch bittere Stoffe aufgenommen.


4.5 Geruchssinn

Der Geruchssinn ist beim Huhn nicht gut ausgebildet.