Brutei Desinfektion

Vielen Züchtern stellt sich die Frage, ob eine Desinfektion der Bruteier vor der Bebrütung in der Brutmaschine sinnvoll oder nötig ist.

 

Ziel der Kunstbrut sind möglichst viele, gesunde und vitale Küken zum selben Schlupfzeitpunkt.
Gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Brut bieten eine passende Verpaarung blutsfremder Elterntiere, eine speziell auf die Brut abgestimmte Fütterung, Impfung und Entwurmung der Elterntiere vor der Zucht, und das korrekte Lagern der Bruteier vor der Bebrütung.

 

Auch die Desinfektion der Brutmaschine und des Kükenstalls gehören zu den Vorbereitungen. Doch wie sieht es mit den Bruteiern aus?
Sollte man die Bruteier auch desinfizieren? Vorteile, Nachteile und Risiken.

In der Wirtschaftsgeflügelindustrie stellt sich diese Frage nicht, denn dort werden alle Bruteier vor der Bebrütung desinfiziert, um den hygienisch sauberen Stall nur mit gesunden und möglichst keimarmen Küken zu besetzen, was wiederum nur mithilfe der Brutei-Desinfektion möglich ist.

 

Während früher eine Begasung mit Formalin der Standard war, werden heute auch andere Methoden angewendet.

Heute erfolgt auch eine Spray- oder Schaumdesinfektion von Bruteiern mit quartären Biguaniden (organischen Ammoniumverbindungen) , Benzalkoniumchlorid, Cetylpyridiniumchlorid, H2O2 3%, eine Bruteidesinfektion mit Rauch / Fumispore (OPP / Orthophenyphenol), sowie eine Begasung oder Kaltvernebelung mit Peressigsäure (PES / Wolfasteril 0,5%). 

Spray ist dabei von der Desinfektionswirkung dem Schaum überlegen, Peressigsäure dem Formalin und OPP.

Auch die Anwendung von H2O2 3% hat sich als sehr wirksam erwiesen.

Die Brutei-Desinfektion mit Virkon S 1 % / Pentakalium-bis(peroxymonosulfat)-bis(sulfat) (peroxidhaltige Substanzen, Tenside, organische Säuren) und Venno Oxygen 2 % konnte im Test nicht alle Keime zuverlässig eliminieren.                  Eine Schädigungen des Embryos ist bei der Desinfektion mit Peressigsäure auch bei höherer Dosierung und längerer Einwirkungsdauer eher selten. Eine zuverlässige Desinfektion ist abhängig von der Menge und Einwirkdauer des Desinfektionsmittels.

Quelle: http://lohmann-information.com/content/l_i_1_04_artikel3.pdf

In der privaten Hobbyzucht sieht das zumeist anders aus, da solche hohe Hygienestandards wie in der Wirtschaftsgeflügelindustrie zum einen nicht möglich, und zum anderen auch nicht erstrebenswert sind. 
Hier wird mehr wert auf die natürliche Widerstandskraft der Küken gelegt. Durch natürliche Selektion entstehen solche widerstandsfähigen Zuchtlinien, da die lebensschwachen Küken sich im Brutei erst gar nicht entwickeln oder nicht schlüpfen.

Aber auch in der Hobbyzucht sollten die Bruteier natürlich auch möglichst sauber und keimarm sein, um eine Kontamination der Küken beim Schlupf zu vermeiden oder zumindest zu minimieren.

Muss ein schmutziges Brutei vor der Bebrütung gewaschen werden, sollte das erst kurz vor der Bebrütung mit lauwarmem Wasser geschehen.

Um die Kutikula (Schalenoberhaut) nicht zu zerstören, sollte ein Ei im allgemeinen nicht gewaschen werden, denn durch die Kutikula hat das Ei hat die Fähigkeit, sich selbst gegen die Besiedelung und Vermehrung von Keimen zu schützen. Doch nicht nur die Kutikula schützt das Ei vor eindringenden Keimen, auch das im Eiklar enthaltene Protein Lysozym (c-Typ Lysozym, UniProtKB - P00698), ein Enzym, hat antibakterielle Eigenschaften, und besitzt die Fähigkeit, eindringende Bakterien abzutöten oder deren Wachstum zu hemmen, um den Embryo zu schützen.

Weitere Eibestandteile wie Ovotransferin, Ovomuzin, Ovostatin, Ovoinhibitor, Cystatin, das Biotin bindende Avidin, Tenp (UniProtKB - O42273) und AvBD’s (avian beta-defensis) wirken ebenfalls keimabtötend auf u.a. Salmonellen, Listerien, Staphylokokken und Kolibakterien. 

Insgesamt sind über 200 Proteine aus dem Ei an der Keimabwehr beteiligt, davon befinden sich 37% in der Eischale, 21% im Eiklar, 15% in der Dotterhaut und 27% im Dotter.

Angesichts solcher Supereigenschaften des Eies stellt sich die Frage, ob man ein Brutei nun desinfizieren muss.

In der Praxis sind zudem die Methoden, die in der Wirtschaftsgeflügelindustrie eingesetzt werden, kaum umsetzbar.

Sind die Elterntiere gesund, und herrscht im Bestand oder regional kein hoher Keimdruck, sollte man den Nutzen gegen die Risiken abwägen.

Entscheidet man sich für eine Brutei-Desinfektion, kommen für den Hobbyzüchter zumeist anwendungsfertige Sprühlösungen mit 1% Chlorkresol und Glycolsäurezusatz wie Kokzi Des in Frage. Die Bruteier werden lt. Angabe des Anbieters kurz übersprüht und nach dem abtrocknen der Lösung in die Brutmaschine gelegt.

(Biozidprodukte vorsichtig anwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformation lesen.)

Achtung: wir übernehmen keine Garantie für die Unbedenklichkeit der Anwendung und keine Haftung für mögliche Schäden, des weiteren haben wir auch keine Erfahrungswerte. Wenden Sie sich bitte in diesem Fall und bei aufkommenden Fragen immer an der Anbieter: https://www.reimers.biz/impressum/